Metalfest in Dessau (FOTO: MZ)
Als der Regen endlich aufhörte, kam der Wind. In Böen natürlich. Wenn dann richtig. Als Zelte und Pavillons nicht mehr wackelten, wurde es kalt. Sonne? Gab es auch, immer mal wieder zwischendurch, als kurzes Gastspiel beim vierten Metalfest-Festival, das von Donnerstag bis Sonnabend auf dem alten Flugplatzgelände in Kühnau stattfand. Die Laune ließen sich die über 5 000 Metalfans davon nur bedingt verderben, drei Tage lang feierten sie wie jedes Jahr eine tolle Party.
Das sei ein Pro-Argument für den Festival-Standort Dessau, den es auch im nächsten Jahr geben soll, versichert der Leipziger Metalfest-Macher Wito Apitzsch. Die Chefs der Festival-Serie - insgesamt gibt es acht Veranstaltungen in sieben Ländern - aber kommen aus Österreich, und die waren der Meinung, in diesem Jahr erstmals zwei Metalfest Germany auf die Beine zu stellen. Neben Dessau (East) gibt es noch das Metalfest West auf der Loreley. Das lässt nicht wenige Fans argwöhnen, dass die Veranstaltung vielleicht komplett in Richtung Westen abwandern könnte. Auch Apitzsch hatte sich dagegen ausgesprochen. "Es gibt für alles ein Für und ein Wider", sagt er. Gegen zwei Metalfest-Open Airs in Deutschlands sprechen die in der Vergangenheit gescheiterten Versuche der Konkurrenz, Ableger auf die Beine zu stellen. Selbst das Wacken Open Air, Deutschlands größtes Metal-Festival, scheiterte vor drei Jahren mit einem solchen Versuch. "Die haben die wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht. Der Markt gibt es einfach nicht her", glaubt Apitzsch. Ein Für-Argument, sich breiter aufzustellen, sei indes das sich daraus ergebende verlockendere Angebot für die Bands. "Wir können durch acht Standorte derzeit einer Band acht Auftritte anbieten", erläutert Apitzsch. Das mache es natürlich leichter in den Verhandlungen gerade mit den US-Formationen. Da lohne sich der Trip über den großen Teich finanziell eher. Zudem sei die Metalfest-Serie ein wirtschaftliches Erfolgsmodell. "Wir haben Zuwachsraten von 35 Prozent, und wir verwirklichen den EU-Gedanken", unterstreicht Apitzsch.
Ob beide Metal-Festivals eine gemeinsame Zukunft haben können, werden erst die 2012er Erfahrungen zeigen. "Ich will und hoffe nicht, dass sich dann eins zu Tode kränkelt", so der Leipziger Festivalmacher, "der Standort Dessau jedenfalls hat sich in Mitteldeutschland fest etabliert. Wir haben hier ein Stammpublikum."
Dieses steckte die Wetterunbilden an den drei Tagen locker weg, reagierte aber feinfühlig auf eher enttäuschende Auftritte. Dazu muss der von den US-Superstars Megadeth am Donnerstag gerechnet werden. Die Masse der Zuhörer vor der Bühne wurde angesichts der wenig begeisternden Darbietung von Sänger / Gitarrist Dave Mustaine rasch zu einem Häuflein, und das lag nicht nur am einsetzenden Regen. Ganz anderes bekam am Sonnabend In Extremo aus Deutschland zu sehen. Trotz Kälte rockten die Fans zu tausenden mit.