Blumen, eine Kerze und Plüschtiere stehen in einem Mietshaus in Leipzig vor der Tür einer Wohnung, wo eine 26 Jahre alte Frau und ihr zweijähriger Sohn tot aufgefunden wurden. (FOTO: DAPD)
Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU) forderte am Dienstag nach der Sitzung des Kabinetts in Dresden erneut eine sorgfältige Aufklärung und warnte zugleich vor vorschnellen Urteilen. Die Rathausspitze hat sich bisher noch nicht zu dem Familiendrama in einer Leipziger Wohnung geäußert.
Nach bisherigen Erkenntnissen hatte die Mutter am 10. April während eines Besuches beim Allgemeinen Sozialdienst erklärt, sie wolle mit ihrem neuen Lebensgefährten wegziehen. In der Nacht zum 17. Juni wurden die Leichen der Frau und des zweijährigen Jungen entdeckt. Wie aus den vom Jugendamt veröffentlichten Unterlagen hervorgeht, hatte es im Februar 2012 den letzten Kontrollbesuch in der Wohnung gegeben.
Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, war die 26-Jährige vorbestraft. In ihrem Strafregister befänden sich typische Delikte der Beschaffungskriminalität - etwa Diebstahl. Die Polizei ermittelte weiter, inwieweit Nachbarn vor dem Tod von Mutter und Sohn Kinderschreie aus der Wohnung gehört haben. Das Ergebnis: Es wurden zwar Schreie gehört, allerdings laut Polizeisprecher Uwe Voigt „weit vor Juni“. „Zum tatrelevanten Zeitpunkt hat keiner Schreie gehört.“ Deswegen sehe die Polizei derzeit keine Veranlassung, Anzeige gegen Nachbarn oder Hausbewohner wegen unterlassener Hilfeleistung zu erstatten.