Claus Haake wird am Samstag zum letzten Mal im Konzert vor dem Kammerchor «Madrigal» stehen. Mehr als 60 Jahre hat er Chöre geleitet. (FOTO: JÜRGEN LUKASCHEK)
Der Chorleiter hofft sehr, dass zum Abschied noch einmal ein ordentlicher Auftritt gelingen möge, etwa wie vor einer Woche in Sinsleben (Stadt Falkenstein). "Aber das weiß man vorher nicht", sagt er. Weil möglicherweise auch Emotionen eine Rolle spielen werden.
Tatsächlich geht mit dem Abschied des "Doktors", wie er im Chor nur genannt wird, eine Ära zu Ende. Nach mehr als 60 Jahren verlässt ein Mann die Bühne, der "viele Generationen von Chorsängern geprägt hat", wie Dorothea Köhler, die Leiterin des Chorstudios Cantamos Halle hervorhebt, die einst den Stadtsingechor Halle in die erste Liga der deutschen Knabenchöre geführt hatte.
Vor 17 Jahren war Haake einem Ruf in die Lutherstadt gefolgt, weil die Madrigalisten ohne Leiter dastanden und dringend Hilfe brauchten. Und so kam er dann mit seinen hohen Ansprüchen und wollte es mit dem Chor, den er als ein "qualifiziertes Ensemble" kannte, einfach mal probieren. Erst einmal zwei Jahre, wie er sich erinnert. Bald stellte sich heraus, dass beide zusammenpassten, der Chor nahm unter Haake eine Entwicklung, die kaum einer für möglich gehalten hätte. "Vielleicht bin ich manchmal zu weit gegangen", überlegt er angesichts dessen, was er den Madrigalisten alles abverlangte. Aber chorische Leistung entstehe nunmal mit "permanenter leichter Überforderung".
Egal , was gemacht wird, es muss ordentlich gemacht werden. Das hat ihm sein Vater Wilhelm mit auf den Weg gegeben, der einst Rektor in der Nähe von Zeitz war, dann aber von den Nazis als Volksschullehrer nach Mansfeld strafversetzt wurde.
Der Sohn ging 1942 nach Halle, machte Abitur, studierte Musik, wurde Dozent an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät. Nebenbei leitete er in Eisleben bis Mitte der 50er Jahre das Volkskunstensemble des Mansfeld-Kombinats, bevor er den Buna-Chor übernahm, mit dem er seine größten Erfolge feierte. Tondokumente aus dieser Zeit versetzten vor einem halben Jahr nicht wenige Teilnehmer einer Internationalen Musikwissenschaftlichen Konferenz in Leipzig in Erstaunen, denen nur schwer zu vermitteln war, dass sie Aufnahmen eines Amateurensembles hören.