Demonstranten im Breiten Weg: Die Aufnahme des damals 18-jährigen Schülers Wolfgang Brünner gehört zu den wenigen Foto-Dokumenten der Ereignisse des 17. Juni in Eisleben. Brünner wurde einen Tag später für eine Nacht in Polizeigewahrsam genommen, seine Fotos wurden aber nicht entdeckt. (FOTO: ARCHIV)
Daran nehmen auch die in Eisleben und Hamm (Westfalen) lebenden Söhne Arndts sowie eine Gruppe aus der Partnerstadt Herne teil. Beginn ist um 14 Uhr an der Gedenktafel für die Opfer des Stalinismus' in der Sangerhäuser Straße oberhalb des Rathauses. Unter anderem wird der Landesvorsitzende des Bundes der Stalinistisch Verfolgten (BSV), Johannes Rink, sprechen.
Im Bergbaukrankenhaus verstorben
Kurt Arndt, 1914 in Aschersleben geboren, hatte 1937 in Wimmelburg geheiratet und nach dem Krieg als Bergmann auf der Hütte in Eisleben, später im Schacht "Fortschritt" gearbeitet. Am 17. Juni 1953 legten auch die Bergleute vom Fortschrittschacht die Arbeit nieder und schlossen sich den Forderungen nach Herabsetzung der Normen an. Obwohl Kurt Arndt nicht an den Zerstörungen in der Stadt Eisleben beteiligt war, wurde er von der Volkspolizei als "Provokateur und Rädelsführer" verfolgt.
Als er am Abend des 18. Juni zu Hause festgenommen werden sollte, versuchte er durch ein Fenster über das Dach zu fliehen. Das Grundstück war jedoch umstellt, und Arndt wurde sofort beschossen. Drei Schüsse trafen ihn in den Oberschenkel, den Arm und den Bauch. Am 21. Juni starb der Vater von vier Kindern im Bergbaukrankenhaus Eisleben an den Folgen seiner schweren Verletzungen. An der Beerdigung auf dem Wimmelburger Friedhof durften nur die engsten Angehörigen teilnehmen.
Arndt ist nicht das einzige Todesopfer des Volksaufstandes in der Region. Laut einem gemeinsamen Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Zentrum für Zeithistorische Forschung und von Deutschlandradio zum 17. Juni 1953 sollen Hermann Stahl aus Großörner und Walter Krüger aus Leimbach am 4. Juli 1953 standrechtlich von sowjetischen Soldaten hingerichtet worden sein. Allerdings sind trotz umfangreicher Recherchen in Standesämtern, Einwohnermeldeämtern, dem Landeshauptarchiv und dem Kreisarchiv zu den beiden Männern keine Hinweise gefunden worden. Ebenso wie zu der standrechtlichen Erschießung von Wilhelm Anders aus Siersleben.
Gesuchter wird an Polizei verraten
Als ein "Rädelsführer" wurde auch der 1919 geborene Willi Anders aus Eisleben gesucht. Sein Name fand sich auf einem Fahndungsblatt der Volkspolizei. Er konnte sich zunächst verstecken, wurde aber verraten und am 27. Juni verhaftet. Am 8. Juli 1953 wurde Anders zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt. Vorgeworfen wurde ihm, dass er angeblich nach der Erstürmung des Gefängnisses in Eisleben dem Bewachungspersonal des Straflagers Volkstedt empfohlen hatte, die Gefangenen lieber gleich freiwillig zu entlassen. Anders starb am 3. Januar 1981 in Eisleben. 1995 wurde er vom Landgericht Halle rehabilitiert.
36 Inhaftierte im Kreis Eisleben
Insgesamt sind im Kreis Eisleben 36 Menschen nach dem 17. Juni verhaftet worden, in Hettstedt und Gerbstedt 18. Das haben Recherchen des mittlerweile verstorbenen Eisleber Diplom-Ingenieurs Dietmar Mokros ergeben. Mokros, der wegen versuchter Republikflucht in Haft gesessen hatte, war 1981 aus der DDR ausgereist. Nach der Wende engagierte er sich im Verband der Stalinistisch Verfolgten.