Eisleben: Aufregung durch Ermittler

26.04.2012 14:15 Uhr | Aktualisiert 02.05.2012 19:53 Uhr
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Zentrale der Eisleber Stadtwerke

Die Ermittler auf dem Weg in die Zentrale der Eisleber Stadtwerke. Das Unternehmen ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. (FOTO: KLAUS WINTERFELD)

Von Wolfram Bahn
Die Staatsanwaltschaft in Halle hat am Donnerstagmorgen die Räume der Stadtwerke Lutherstadt Eisleben und einer Baufirma in Unterrissdorf durchsucht. Sie nahm zahlreiche Akten und andere Ordner mit Geschäftspapieren mit.
Eisleben/MZ. 

Der Schlag der Staatsanwaltschaft kam wie aus heiterem Himmel: Am Donnerstag in den Morgenstunden rollten plötzlich dunkelfarbene Fahrzeuge der Behörde vor die Zentrale der Stadtwerke Lutherstadt Eisleben vor. Die Ermittler, die kurz darauf ausstiegen, durchsuchten Räume und beschlagnahmten Akten. Auslöser der Aktion sind "gewichtige Anhaltspunkte für Straftaten", so Heike Geyer, die zuständige Staatsanwältin für Wirtschaftskriminalität in Halle. Es gehe um Vorwürfe von Betrug und Untreue, sagte sie weiter. Darin verwickelt sind zwei leitende Mitarbeiter der Stadtwerke und eine Baufirma aus dem Eisleber Ortsteil Unterrißdorf. Auch bei diesem Unternehmen sind die Ermittler am Donnerstag noch aufgetaucht.

OB wird völlig überrascht

Die Aktion der Staatsanwaltschaft traf offenbar alle völlig unvorbereitet. Die Eisleber Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (parteilos), die zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke ist, wurde davon genauso überrascht wie Landrat Dirk Schatz (CDU), der gerade in Amsdorf bei Gesprächen mit der Romonta AG war. Beide wollten sich auf Anfrage der MZ nicht zu den Vorgängen äußern. Sie haben allerdings für Donnerstagabend sofort eine Sondersitzung des Aufsichtsrates anberaumt.

Immerhin sind von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft auch die Geschäftsbeziehungen zum Regionalversorger Envia-M betroffen, der noch 42,5 Prozent der Anteile an den Stadtwerken in seinem Besitz hat, die die Stadt aber übernehmen will.

Am Dienstagabend hat der Stadtrat hinter verschlossenen Türen gerade einen Grundsatzbeschluss zu den Kaufverhandlungenn gefasst. Dabei geht es auch um die Option, die städtische Wohnungsbaugesellschaft eventuell an die Stadtwerke zu verkaufen, um Geld für den Kauf der Anteile locker zu machen. Vorsorglich hat der Landkreis sich bereiterklärt, der Stadt mit einem Darlehen auszuhelfen.

Genaueres ist darüber aber wegen der vereinbarten Vertraulichkeit der Verhandlungen mit Envia-M nicht zu erfahren. Der Regionalversorger hielt sich auch mit Äußerungen zu den Vorgängen am Donnerstag zurück. Man wisse nichts von der Aktion der Staatsanwaltschaft in Eisleben, erklärte ein Sprecher.

Schnelle Eingreiftruppe

Schweigen herrschte den ganzen Tag über ebenso bei der Baufirma in Unterrißdorf. Das Unternehmen ist freilich nicht unbekannt in der Region. Die Firma führt seit Jahren verschiedene Aufträge für die Stadtwerke aus. Meist handelt es sich dabei um Kanalarbeiten oder die Reparatur von Schäden. Die Männer der Firma sind quasi die schnelle Eingreiftruppe der Eisleber Stadtwerke bei Havarien an den Versorgungsleitungen.

Schon in der Vergangenheit wurde gemunkelt, dass da manches zwischen den Stadtwerken und dem Unternehmen nicht ganz koscher verlaufe. Damals führte Theo Brummack noch die Geschäfte der Stadtwerke. Er wurde allerdings im Juni 2008 auf Betreiben der Oberbürgermeisterin gefeuert, weil das Vertrauensverhältnis zum Aufsichtsrat zerstört sei, wie es hieß. Ob es einen konkreten Anlass für diesen Schritt gab, blieb unklar.