Und es bewegt sich doch: Das Lenin-Denkmal aus Eisleben ist im Deutschen Historischen Museum in Berlin aus dem Schattendasein geholt worden. Stand die 3,20 Meter hohe und 2,9 Tonnen schwere Bronzestatue bisher etwas abseits in einer Ecke, ist sie jetzt mehr ins Blickfeld der Besucher gerückt. Der Lenin wurde gleich am Eingang des Museums postiert und ist dort nicht mehr zu übersehen. Wolfgang Conrad, der das Denkmal 2001 restauriert hatte, ehe es nach Berlin ging, ist das sofort aufgefallen. "Der große Towaritsch steht jetzt in der ersten Reihe", teilte er der MZ mit.
Dass das Denkmal aus Eisleben quasi eine Art Portier geworden ist, hat eher profane Gründe. "Wir haben das Foyer strenger gegliedert, wollten klare Strukturen für die Besucher schaffen", sagte eine Mitarbeiterin des Museums auf Anfrage. Bei der Umgestaltung seien die Denkmäler in chronologischer Reihenfolge jeweils zwischen zwei Pfeiler aufgestellt worden, hieß es weiter. Nun stehen sie alle in einer Achse. Nach dieser neuen Anordnung hat Lenin nun auch einen Nachbarn bekommen. Es ist die Nachbildung eines Denkmals aus der Nazizeit mit dem Titel "Wehrmacht". Die Figur hat laut Beschreibung 1938 / 39 im Ehrenhof der Neuen Reichskanzlei in der Berliner Voßstraße gestanden. Das Original, das nicht von dem im Dritten Reich bevorzugten Monumental-Bildhauer Arnold Breker stammt, ist verschollen.
Dieses Schicksal ist dem Eisleber Denkmal erspart geblieben. Es wurde vom russischen Bildhauer Matwej Maniser geschaffen und stand zunächst in der Stadt Puschkin. Als die Wehrmacht 1943 die Stadt eroberte, demontierten die deutschen Truppen die Statue des russischen Revolutionsführers von 1917. Sie sollte auf der Krughütte bei Eisleben für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden.
Zu DDR-Zeiten wurde der Eisleber Lenin für propagandistische Ziele missbraucht. Angeblich hätten Antifaschisten das Denkmal gerettet und es im Juli 1945 in Eisleben zur Begrüßung der Roten Armee aufgestellt. Das Denkmal galt seither als Symbol der deutsch-sowjetischen Freundschaft und durfte in keinem Schulbuch fehlen.
Wie der Journalist Andreas Stedtler aus dem Mansfelder Land nach umfangreichen Recherchen auch in früher nicht zugänglichen SED-Archiven herausfand, war es dagegen eher dem Zufall geschuldet, dass der Lenin überlebte. Er war einfach zu groß für den Schmelzofen auf der Krughütte. Über die Geschichte des Denkmals zu DDR-Zeiten erfährt man jedoch im Berliner Museum nichts.
Andreas Stedtler, "Die Akte Lenin", Mitteldeutscher Verlag Halle