Eisleben: Mittagessen statt Sportverein

01.06.2012 18:33 Uhr | Aktualisiert 01.06.2012 22:02 Uhr
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Von Jan-Ole Prasse
Die Bilanz ist ernüchternd: Nur die Hälfte der anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen im Landkreis Mansfeld-Südharz bekommen Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket.
Eisleben/MZ. 

"Damit liegen wir aber im Bundesdurchschnitt", sagte Christian Landmann, der Leiter des Jobcenters, das die Anträge bearbeitet.

Dazu kommt, dass sich das Geld nicht so verteilt wie eigentlich geplant. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zur Begründung des Pakets stets angeführt, dass damit vor allem Beiträge für Sportvereine und Musikschulen sowie Ausgaben für Nachhilfeunterricht finanziert werden sollen. In der Realität sind diese Leistungen allerdings am wenigsten nachgefragt. Es dominieren Anträge auf Zuschüsse für Mittagessen (64 Prozent) und Klassenfahrten oder Ausflüge (20 Prozent).

Gerade einmal 13 Prozent aller Anträge entfallen auf die zehn Euro Zuschuss im Monat für Sportvereine oder Musikschulen. "Zehn Euro sind einfach zu wenig" begründet Nadine Jeske, die zuständige Teamleiterin vom Jobcenter, die Zurückhaltung.

Beim Nachhilfeunterricht sind die Anträge mit zwei Prozent extrem gering. "Da spielen zwei Dinge zusammen", ergänzte Landmann. Zum einen sei der Antragsbogen, der vom Kultusministerium Sachsen-Anhalt entwickelt wurde, recht kompliziert. Zum anderen muss der zuständige Lehrer bestätigen, dass der Schüler mit Nachhilfeunterricht das Klassenziel erreichen könnte. "Wir hatten Fälle, wo der Lehrer das nicht bestätigen wollte", berichtete Jeske. Dabei ist insgesamt genügend Geld für das Bildungs- und Teilhabepaket vorhanden. Der Bund hat im vergangenen Jahr rund drei Millionen Euro dafür im Landkreis zur Verfügung gestellt. Davon sind etwa 640 000 Euro direkt in die beantragten Leistungen geflossen.

Ein Teil ist allerdings für Personal- und Sachkosten ausgegeben worden. Mit dem Rest, der nicht direkt verwendet werden konnte, sind Heiz- und Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger bezahlt worden. "Das kommt indirekt auch den Kindern zu Gute", sagte Babett Mitschka, Pressesprecherin des Landkreises. Im nächsten Jahr werde der Bund das überschüssige Geld zurückfordern.

Das Jobcenter rechnet damit, dass die Anträge in der nächsten Zeit weiter steigen werden. Schließlich hätten nach einem schleppenden Beginn im Frühjahr 2011 die Anträge schon deutlich zugenommen. "Wir tun alles, um die Leistungen zu bewerben", so Landmann.