Eisleben: Rückenwind für Synagoge

13.05.2012 19:35 Uhr | Aktualisiert 13.05.2012 20:55 Uhr
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In einer Synagoge

Landrat Dirk Schatz (rechts) bei der Übergabe in der Synagoge. (FOTO: LUKASCHEK)

Von burkhard zemlin
Die Sanierung der Eisleber Synagoge, die vor zwei Jahren ins Stocken geraten war, erhält neuen Rückenwind. Landrat Dirk Schatz (CDU) übergab dem Förderverein, der sich seit Jahren um die Erhaltung des historisch so bedeutsamen Hauses bemüht, einen Fördermittelbescheid über 29 500 Euro.
eisleben/MZ. 

"Das ist Geld aus dem Zukunftsfonds", wie Schatz erläuterte, für den auch die ehemalige Synagoge ein Stück Zukunft ist.

Der Förderverein benötigt das Geld dringend, wie Vereinsvorsitzender Rüdiger Seidel hervorhob, der hofft, dass noch im Sommer die Sanierung der hinteren Fassade beginnen kann. Dafür werde das Geld zwar nicht reichen, aber vielleicht gelingt es, Sponsoren zu gewinnen, die das Vorhaben unterstützen. Der Verein wird sich auf alle Fälle darum bemühen.

"Die jüdische Geschichte ist nicht der Mittelpunkt der deutschen Geschichte, aber sie ist ein Teil davon", so Seidel unter Hinweis auf die Verantwortung, die sich daraus für die Gesellschaft ergebe. Mit Blick auf den acht bis neun Meter hohen Synagogensaal, dessen Konturen ja schon zu erkennen sind, äußerte er die Hoffnung, dass dieser seine einstige "Aura" wieder erhalten werde für festliche Veranstaltungen, Konzerte und anderes mehr.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg; mit dem jüngsten Fördermittelbescheid rückt das Ziel jedoch ein kleines Stück näher.

Dass das Haus die antijüdischen Pogrome der Nazis vom November 1938 überstanden hat, ist seiner Lage mitten in der Häuserzeile geschuldet. Diese verbot den Einsatz von Feuer, weil sonst die Nachbarhäuser in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Die jüdische Gemeinde wurde jedoch gezwungen, die Synagoge zu verkaufen, und der neue Eigentümer stellte 1939 den Antrag auf Umbau zu einem Wohn- und Geschäftshaus. Angesichts des Krieges wurde das Vorhaben allerdings nicht genehmigt. Ein weiterer Antrag wurde 1945 abgelehnt, weil das erforderliche Baumaterial knapp war. So blieb die ehemalige Synagoge bis 1958 unverändert, dann gab es den nächsten Besitzerwechsel, und es folgte ein "liederlicher Umbau", wie Seidel es nannte. In den Saal wurden Wände eingezogen und überdies eine Zwischendecke eingefügt. Auf dem Dachboden entstanden Kaninchenställe. 1983 wurde renoviert, aber nur äußerlich. Bereits zur Wendezeit war das Dach undicht, das Haus bröckelte.

Seit Ende 2001 bemüht sich der Förderverein Eisleber Synagoge um das Haus, das damals auf Anregung von Bürgermeister Peter Pfützner von der Eisleber Wohnungsbaugesellschaft erworben worden war, die sogleich das Dach instandsetzen ließ. Seit 2010 ist der Verein Eigentümer des Hauses.