Blick auf das Festgelände der Eisleber Wiese 2010. (ARCHIVFOTO: MAIK SCHUMANN)
Bei einem Überfall mit offensichtlich ausländerfeindlichem Hintergrund sind am Sonntagabend auf der Kleinen Wiese in Eisleben mehrere Frauen und Männer aus Syrien zusammengeschlagen und verletzt worden. Ein 32-jähriger Syrer musste mit einem Schädelhirntrauma ins Krankenhaus gebracht werden.
Nach MZ-Informationen haben drei Männer die Syrer von hinten angegriffen, geschlagen, getreten und dabei „Ausländer raus“ gebrüllt. Zwei Männer (42 und 43 Jahre) sowie drei Frauen zwischen 22 und 39 Jahren erlitten dabei Prellungen, Hämatome und einen Schock. Bei den Tätern soll es sich um zwei Männer aus Thüringen und einen Eisleber handeln.
Einen 18-jährigen Schläger konnten die Opfer aufhalten. Ein Atemalkoholtest bei ihm habe mehr als zwei Promille ergeben. Der junge Mann sei weiter verdächtig, inzwischen aber wieder freigelassen worden, teile die Polizei am Montagabend mit. Die beiden anderen Täter sollen der Polizei bekannt sein, nach ihnen wird mit Hochdruck gefahndet.
Eine der verletzten Frauen ist die 37-jährige Hanan G. Sie lebt seit 17 Jahren in Eisleben und arbeitet beim Kinderschutzbund in einem Integrationsprojekt. Ausländerfeindlichkeit habe sie in Eisleben noch nie erfahren. Sie sei immer gut mit ihren Mitbürgern ausgekommen. Sie steht nach dem Überfall noch immer unter Schock. Die Eisleber Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (parteilos) hat den Übergriff scharf verurteilt. „Es ist für mich unverständlich, dass Menschen zu solch einer brutalen Tat in der Lage sind“, so Fischer.
Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung - und nicht wie anfangs wegen versuchten Totschlags, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Halle am Montagabend. Weil politische Motive möglich seien, ist auch der Staatsschutz in die Ermittlungen einbezogen. Außerdem werden dringend weitere Zeugen der Tat gesucht. So wird zum Beispiel ein älterer Mann gesucht, der ein blau kariertes Hemd trug. Er hat graue kurz Haare sowie einen Schnauzbart. Dieser Mann soll nahe dem Tatort Aufnahmen mit einem Camcorder gemacht haben. Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd unter der Telefonnummer 0345 / 224 1292 zu melden.