Die Polizei ermittelt inzwischen wegen Beihilfe zur Flucht gegen Unbekannt.
Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich in der Wohnung von Titschs Ex-Frau neben dieser und dem gemeinsamen Sohn noch mindestens zwei weitere Frauen und eine bislang unbekannte Zahl von Kindern aufgehalten hatten, um Geburtstag zu feiern. Das Justizministerium räumte ein, dass dies nicht mit dem Sicherheitskonzept für den Besuch des Schwerverbrechers zu vereinbaren gewesen sei. Auf die Frage, warum die beiden Wachleute dann nicht sofort den Besuch abgebrochen hätten, erklärte Ministeriumssprecher Tino Kleinert: „Das ist eine berechtigte Frage, der wir nachgehen. Eine solche unübersichtliche Situation hätte vermieden werden müssen.“
Doch statt den Besuch abzubrechen, nahmen die Beamten Titsch zum ersten Mal bei einem seiner fünf Besuche in der Wohnung seiner Ex-Frau die Fesselung ab. Erstmals bestätigte Kleinert auch, dass der 36-Jährige nicht nur an den Händen, sondern auch an den Füßen gefesselt war. Bislang war immer nur von Handschellen die Rede gewesen.
Titschs Ex-Frau hat bislang behauptet, dass die Flucht spontan gewesen sei. Eine Version, der die Ermittler offenbar nur noch wenig Glauben schenken. „Wir sind sehr vorsichtig, was das Aussageverhalten der Frau angeht“, sagte Kleinert. Die Frau hatte Titsch nach MZ-Informationen in einem Gerichtsverfahren bereits mit falschen Alibis versorgt. Während die Erklärung des Landeskriminalamts, Titsch halte sich sehr wahrscheinlich nicht mehr in Aschersleben auf, auf eine geplante und von Helfern unterstützte Flucht hindeuten, hält sich das Justizministerium noch zurück. „Die Frage, ob die Flucht geplant war, beschäftigt uns derzeit sehr, aber noch wissen wir es nicht“, erklärte Kleinert.
Er bestätigte zudem, dass gegen die Wachmänner bereits am Tag nach der Flucht Disziplinarverfahren eingeleitet worden seien. Die Männer hätten sich auch schon schriftlich geäußert; zum Inhalt der Aussagen machte Kleinert keine Angaben. „Beide fühlen sich in der Situation aber sehr unwohl.“
Nach Angaben des Landeskriminalamts hat es seit Dienstag insgesamt 13 neue Hinweise zu Titsch gegeben - eine heiße Spur war nicht darunter. Der 36-Jährige, der wegen Körperverletzung und Vergewaltigung noch bis 2024 in Haft sitzen muss, war am vergangenen Dienstag geflohen.