Die Polizei tappt im Dunkeln, seit Monaten. In Wittenberg wird immer wieder gezündelt, brennen Mülltonnen, Keller, Scheunen - aber der oder den Brandstiftern konnte das gefährliche Handwerk bislang einfach nicht gelegt werden.
Unruhe in der Stadt
Das sorgt zunehmend für Unruhe in der Stadt. Polizei und Staatsanwaltschaft reagieren und bitten "sehr eindringlich um die Mithilfe der Bevölkerung". In einer am Donnerstag von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost verbreiteten Mail ist die Rede davon, "dass trotz aller polizeilichen Nachforschungen die Strafverfolgungsbehörden zur Aufklärung der Taten darauf angewiesen sind, dass Personen, die tatrelevante Wahrnehmungen gemacht haben, diese möglichst umgehend der Polizei" mitteilen. Das klingt ein bisschen nach Ratlosigkeit.
Polizeisprecher Ralf Moritz will nicht leugnen, dass trotz Einsatzes von Spezialisten keine heiße Spur vorliegt: "Deshalb soll noch einmal der Versuch unternommen werden, Zeugen zu finden, die vielleicht doch Beobachtungen gemacht haben." Der Aufruf ist laut Moritz nicht zuletzt von der Sorge getragen, dass beim nächsten Mal womöglich Menschen zu Schaden kommen. Bislang sind die Flammen zum Glück rechtzeitig entdeckt worden. Lediglich in einem Fall - am 27. April - musste ein Bewohner eines Blocks in der Berliner Straße nach einem Kellerbrand wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung kurzzeitig im Krankenhaus behandelt werden. Auffällig an der Serie von Brandstiftungen ist, dass sie sich wesentlich auf ein eng umgrenztes Gebiet konzentrieren. Wahrscheinliche Zusammenhänge räumt jetzt die Polizei ein.
Vermutlicher Zusammenhang
"Aufgrund der festgestellten Spurenlage kann ein Tatzusammenhang zwischen den Brandlegungen in der Berliner Straße und denen in der Gustav-Adolf-Straße nicht mehr ausgeschlossen werden", steht in der Mail zu lesen. Aufgelistet werden dort mehrere Brände: Angefangen von dem am 25. März im Keller eines Blocks in der Gustav-Adolf-Straße. Im gleichen Block loderten am 16. Juli im Keller die Flammen, Bewohner sind zum Teil in Nachtwäsche auf die Straße geflüchtet.
Kellertür in Brand gesetzt
Müllcontainer brannten ebenfalls in der Gustav-Adolf-Straße, Anfang Juni. In unmittelbarer Nähe, in der Berliner Straße, gab es den bereits erwähnten Kellerbrand vom April, im selben Hauseingang des betroffenen Blocks musste die Feuerwehr am 13. Mai löschen. Einen benachbarten Block traf es kurz darauf, am 21. Mai - der oder die Täter hatten eine Kellertür in Brand gesetzt. Stets ist nachts gezündelt worden, mal gegen Mitternacht, mal gegen zwei Uhr, mal gegen vier Uhr früh. Dass das so weiter gehen könnte, das ist die große Angst der Bewohner dort.
Allerdings sind mehrere Fälle von Brandstiftungen auch aus anderen Wittenberger Stadtteilen gemeldet worden. Ob es da Zusammenhänge gibt, ist unklar. Nicht konkret äußern wollte sich der Sprecher der Polizeidirektion am Donnerstag zur genauen Ermittlungsarbeit. "Spezialisten sind dran. Wichtig ist bei Bränden Tatortarbeit in hoher Qualität." Die Frage, ob im Gebiet Gustav-Adolf-Straße / Berliner Straße verstärkt Streife gelaufen wird, ließ Moritz offen: "Das läuft ja sonst ins Leere, das wollen wir nicht. Aber Sie können sich darauf verlassen: Wir haben da ein Auge drauf."
Wer Hinweise hat, der kann sich im Revier Wittenberg unter Tel: 03491 / 46 92 91 melden oder per Mail an lfz.pd-ost@polizei.sachsen-anhalt.de