Evangelische Kirche: Einmal Ausland - und zurück?

05.07.2012 18:09 Uhr | Aktualisiert 05.07.2012 18:55 Uhr
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Margot Käßmann und Martin Schindehütte

Margot Käßmann und Martin Schindehütte in der Leucorea. (FOTO: ACHIM KUHN)

Von irina steinmann
Rund 100 Pfarrer aus aller Welt sind derzeit in Wittenberg zu Gast. Die Stadt wurde als Tagungsort gewählt, weil es bei der Veranstaltung schließlich um das Thema Reformationsjubiläum geht.
wittenberg/MZ. 

Bei den 100 Pfarrern aus aller Welt hat die Anziehungskraft immerhin schon mal gewirkt: Man habe Wittenberg als Tagungsort gewählt, hatte Auslandsbischof Martin Schindehütte am Dienstag kurz vor Konferenzauftakt gesagt, weil es bei der Veranstaltung schließlich um das Thema Reformationsjubiläum geht. Theoretisch passt also kein Blatt zwischen Stadt und Ereignis. Wie es aber praktisch aussehen wird mit dem Zuspruch für Wittenberg in den kommenden Jahren und im Jubeljahr selbst?

Viel Optimismus, etwas Skepsis

Die Botschaften, die in dieser Frage ausgehen von der zweiten Auslandspfarrkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland, sind offiziell sehr optimistisch, allerdings gesprenkelt mit Skepsis. "Wir dürfen mit einem Pilgerstrom rechnen", sagt Bischof Schindehütte, da ist die Konferenz, deren Gastgeber die Lutherstadt noch bis Anfang nächster Woche ist, gerade mal anderthalb Tage alt.

Dass es kein Kinderspiel sein wird, Protestanten aus aller Welt zu einem Besuch im Land und in der Stadt der Reformation zu bewegen, weiß freilich auch Schindehütte. Der Thesenanschlag von 2017 bewegt nicht alle evangelischen Christen gleichermaßen. Die Finnen haben Agricola und auch für die Calvinisten spielt dieser Martin Luther aus Wittenberg naturgemäß nicht die erste Geige in ihrem historischen Selbstverständnis.

Raum schaffen

"Das Reformationsjubiläum wird zur Kenntnis genommen", sagt ein Teilnehmer des sechstägigen Gipfeltreffens über seine deutsche Gemeinde im Ausland. Hinfahren aber sei (noch?) kein Thema. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der EKD-Botschafterin für 2017, Margot Käßmann, unterstreicht Schindehütte denn auch die Absicht der EKD, 2017 einen "Raum schaffen" zu wollen für die Angebote der verschiedenen - und nicht nur - evangelischen Kirchen. "Wir haben nicht die Deutungshoheit", reklamiert er einen "multipolaren" Ansatz. Ökumene, Freiheit, Bildung nennt Käßmann die Grundgedanken, die die EKD in den Mittelpunkt des Jubiläums stellen wird. "Es gibt Formen, die Spaltung zu überwinden, ohne das Eigene zu verraten", streckt sie die Hand nach den Menschen anderer Konfession aus.

Dass die Gläubigen an der Basis dies - anders als die jeweiligen Kirchenoberen - schon vielfach praktizieren, illustriert sie mit einem Beispiel aus der Arbeit der Auslandspfarrer, vor denen sie am Nachmittag ein Referat halten wird: Wie sich in einer evangelischen Gemeinde ganz selbstverständlich auch Katholiken, Baptisten, Orthodoxe treffen - weil man eben zusammenhält in der Fremde. Die Auslandspfarrer und ihre Gläubigen "leben die Zukunft der Gemeindearbeit in Deutschland vor", sagt (oder hofft) Bischof Schindehütte: lebendige Zusammenschlüsse, geprägt von Freiwilligkeit und Ehrenamt. Noch bis Sonntag werden sich knapp 100 Pfarrer und ihr Bischof über das Reformationsjubiläum austauschen. Und vielleicht 2017 zurückkehren, nach Wittenberg.