Finanzen: Inkasso-Unternehmen arbeiten auch für Kommunen

19.04.2012 20:57 Uhr | Aktualisiert 19.04.2012 21:09 Uhr
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Geld

Inkasso-Unternehmen treiben auch für Kommunen Geld ein. (FOTO: ARCHIV)

Von marko jeschor
Inkasso-Unternehmen haben in Fällen von offenen Zahlungen mehr Optionen als die meisten Kommunen. Im Fall offener Unterhalts-Forderungen sind sie nicht alleine auf die Daten des Einwohnermeldeamtes angewiesen.
Eisleben/MZ. 

Der letzte Aufruf erfolgte sogar öffentlich. Im Amtsblatt des Landkreises Mansfeld-Südharz forderte die Verwaltung einen Vater auf, ausstehende Unterhaltungs-Zahlungen zu begleichen. Diese hatte der Kreis vorgestreckt, weil der Mann selbst nicht zahlte. Zu diesem ungewöhnlichen Schritt hatte sich der Kreis im Januar entschieden. Zuvor waren alle Bemühungen gescheitert, mit dem Mann in Kontakt zu treten. Alle Schreiben mit den Bescheiden kamen zurück, Anrufe blieben unbeantwortet, der Mann ist unauffindbar. Der Kreis wartet deshalb weiterhin auf das Geld, das an die Mutter gegangen ist.

Kein Einzelfall. Wie in anderen Kreisen machen offene Unterhalts-Forderungen auch in Mansfeld-Südharz den größten Posten bei den Außenständen aus. Hinzu kommen nicht bezahlte Gebühren und Mieten. In der Summe fehlen 13 Millionen Euro. Dieser Posten habe damit "ein nicht mehr vertretbares Maß erreicht", sagte Sprecherin Michaela John. Daher überlegt die Verwaltung nun, ein Inkasso-Unternehmen mit dem Eintreiben des Geldes zu beauftragen).

Mehr Möglichkeiten als Kommune

Inkasso-Unternehmen haben dabei mehr Optionen als die meisten Kommunen. Im Fall offener Unterhalts-Forderungen sind sie nicht alleine auf die Daten des Einwohnermeldeamtes angewiesen. "Wir haben andere Möglichkeiten, Adressen zu ermitteln", sagte Marco Weber, Sprecher des Bundesverbandes der Inkasso-Unternehmen. Schuldnerverzeichnisse und Schufa-Einträge, in die Kommunen keine Einblicke haben, würden die privaten Unternehmen häufig zu den Schuldnern führen. "Die Chancen für die Kommune, an ihr Geld zu kommen, steigen damit."

Haben die Unternehmen den Schuldner ausgemacht, wird dieser zunächst angeschrieben. In den ersten Briefen werden die Forderungen formuliert. Wer diese ignoriert, bekommt erneut Post, dann mit einer Vereinbarung zu Ratenzahlungen oder Angeboten für einen Vergleich. Spätestens jetzt sollten die Betroffenen reagieren, sagt Schuldnerberaterin Petra Kotzur aus Eisleben. Verweigern sich die Schuldner weiter, kann letztlich der Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen oder der Lohn wird gepfändet - alles legal. "Wir setzen aber beharrlich auf den Dialog mit den Schuldnern", betont Weber.

Säumiger wird öffentlich gesucht

Wie erfolgreich Inkasso-Büros Geld eintreiben, zeigt das Beispiel Wiesbaden. Dort wurden die Außenstände seit 2003 von 50 auf 42 Millionen Euro reduziert, sagt Weber. Er begründet den Erfolg auch mit der Zentralisierung: Eine externe Stelle habe einen besseren Überblick als viele Ämter, die ihre Forderungen einzeln eintreiben müssten. Zusätzliche Inkasso-Kosten müssten Schuldner nicht fürchten. Die Unternehmen bekommen entweder eine Provision oder einen Teil des eingetriebenen Geldes.

In Mansfeld-Südharz steigt derweil die Höhe der Außenstände weiter. Im nächsten Amtsblatt wird wieder ein säumiger Zahler gesucht. Auch in dem Fall geht es um Unterhalt.