Flut 2002: Bayer-Mitarbeiter besuchen Hochwasser-Gebiet

19.08.2012 16:43 Uhr | Aktualisiert 19.08.2012 20:37 Uhr
Ernst Rossow (rechts) erläutert den damaligen Fluthelfern die neu gebauten Hochwasserschutzmaßnahmen. (FOTO: THOMAS RUTTKE) 
Von michael maul
Wolfgang Schneider steht auf dem Greppiner Deich und blickt auf die Fläche, die vor zehn Jahren einer riesigen Seenplatte glich. Schneider ist einer der Fluthelfer von Bayer Leverkusen, der sich im August 2002 spontan bereit erklärte, in den überfluteten Gebieten unserer Region zu helfen.
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thalheim/MZ. 

"Es gab damals ein Umfrage in den Bayer-Betrieben der alten Bundesländer. Wer im Überschwemmungsgebiet des damaligen Landkreises Bitterfeld helfen wollte, konnte sich melden", erinnert sich Schneider. Nachdem er die Bilder und Berichte im Fernsehen gesehen hatte, habe er ohne zu zögern ja gesagt. Vor Ort habe sich dann das Bild aber grundlegend geändert. "So schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt."

An diesem Wochenende war Wolfgang Schneider das erste Mal wieder an der Stelle, an der er vor zehn Jahren unermüdlich Sandsäcke geschleppt und aufgeräumt hatte. Sicher habe man ein wenig solidarisch mit den Bayer-Werken in Greppin gehandelt, doch dort sei es ja Gott sei Dank nicht schlimm gewesen. "Wir haben dann einfach mit angepackt, wo wir gebraucht wurden", blickt er zurück. Freundschaften haben sich entwickelt, die heute noch bestehen.

Untergebracht waren die Helfer damals in der Thalheimer Sporthalle, wo sie auch an diesem Wochenende geschlafen haben. Wolfgang Schneider und seine Mitstreiter nutzten die Zeit in Thalheim, um sich die Region heute noch einmal anzusehen. Nichts erinnere mehr an die schlimme Zeit damals, sagen sie. Heute könne man zum Urlaub-machen herkommen.

Ernst Rossow, der stellvertretende Leiter der Bitterfeld-Wolfener Wasserwehr und Greppins Ortsbürgermeister Joachim Schunke erläuterten den Gästen vor allem die Maßnahmen, die in den letzten zehn Jahren realisiert wurden. Er spricht von erhöhten Deichen, von neu angeschafften Übersichtskarten und von neuer Funktechnik, die zum heutigen Zeitpunkt eine solche Katastrophe zumindest mildern könnte. Er spricht aber auch von den Lücken, die noch geschlossen werden müssen. Der Deich zwischen Greppin und Jeßnitz-West sei dabei die vordringlichste Aufgabe, meint Rossow. Zumal dadurch auch das Greppiner Bayer-Werk geschützt werde. "Was damals an Koordination nicht so richtig funktionierte, das klappt heute wesentlich besser", ist sich Rossow sicher. Dafür sei die Schaffung einer Zentrale für die Wasserwehr in Greppin sehr wichtig.

Neben den vielen Besichtigungsterminen hatten die damaligen Fluthelfer aber auch die Möglichkeit, sich beim traditionellen Thalheimer Kapellentreffen zu amüsieren. Die "Blaskapelle Frischluftprojekt" aus Delitzsch schaffte mit ihrer musikalischen Umrahmung die passende Atmosphäre, um sich gemütlich an die Zeit vor zehn Jahren zu erinnern. So war es auch nicht schlimm, dass man wieder in der Turnhalle untergebracht war.