Fußball: Kripo ermittelt wegen rechtem Fangesang

01.07.2012 19:43 Uhr | Aktualisiert 02.07.2012 16:50 Uhr
Drucken per Mail
Zuschauer

In Berga waren am Samstag außergewöhnlich viele Zuschauer. (FOTO: RALF KANDEL)

Von Beate Lindner
Der Fußball wird beim Relegationsspiel zur Kreisoberliga zwischen Berga und Quenstedt zur Nebensache, weil Fans ein rechtsradikales Lied singen.
SANGERHAUSEN/MZ. 

Das Fußballspiel zwischen Olympia Berga und SV Eintracht Quenstedt am Sonnabend ist jetzt ein Fall für die Kriminalpolizei. Was war passiert?

Im Relegationsspiel zur Kreisoberliga sollen einige Zuschauer - Herkunft unbekannt - während des für beide Mannschaften entscheidenden Spiels ein Lied mit der Textzeile "Wir bauen eine U-Bahn von Quenstadt nach Auschwitz" gesungen haben. Das hat offenbar der Linienrichter gehört und seinen Schiedsrichter davon in Kenntnis gesetzt, der das auf dem Spielberichtsbogen vermerkt hat. Schiedsrichter Torsten Gebauer aus Wippra bestätigte gegenüber der MZ, dass er selbst davon nichts mitbekommen habe, aber von seinem Assistenten darauf hingewiesen wurde. Genau so hat es auch der Fußball-Abteilungsleiter von Olympia Berga erlebt. Jörg Lippert: "Irgendwann hat der Linienrichter die Fahne gehoben, ich kann jetzt nicht mal mehr sagen, ob es dafür einen sportlichen Anlass gab. Jedenfalls ist der Schiedsrichter zu ihm gegangen, beide haben miteinander gesprochen, der Schiedsrichter hat sich etwas notiert, anschließend ging das Spiel weiter."

Fast wortgleich die Schilderung von Quenstedts Abteilungsleiter Michael Funke. Inzwischen ermittelt die Polizei, die von der Mitteldeutschen Zeitung von dem Vorfall auf dem Sportplatz in Berga erfuhr. "Wir haben erste Recherchen vorgenommen, am Montag übernimmt die Kripo", so der Diensthabende am Sonntag. Dem nicht genug. Der Vorgang - so bestätigt der Vorsitzende des Spielausschusses Eckhardt Hundt, sei vorschriftsmäßig an die nächsthöhere sportliche Dienststelle weitergeleitet worden, von dort gehe die Meldung an den Deutschen Fußballbund (DFB).

Wie Olympia-Abteilungsleiter Jörg Lippert sagt, habe das Spiel schon außergewöhnlich begonnen. Durchaus sehr positiv. "Wir hatten Fans aus ganz vielen Vereinen da", sagt er und schätzt ein, dass etwa 230 Zuschauer - ungewöhnlich viele - das Relegationsspiel sehen wollten. "Anfangs gab es dann schon Ärger mit Fans.Ich bin mir sicher, dass die aus Quenstedt waren. Die haben Wasserbehälter umgestoßen, die wir wegen der Hitze aufgestellt hatten. Später brannte sogar ein Bengalfeuer." Der Quenstedter Michael Funke sieht das nicht so. Seiner Ansicht nach waren die Quenstedter Fans gut drauf und alles "war im grünen Bereich". Einig sind sich Funke und Lippert, dass es unerträglich ist, wenn ein paar Wenige ohne Sinn und Verstand den Sport und ehrenamtliche Arbeit mit Füßen treten. Der Bergaer ist doppelt sauer und enttäuscht. "Wir haben es sportlich nicht geschafft und nun auch noch Ärger, weil sich einige Leute nicht benehmen können", sagt Lippert. So sieht das auch die Bergaer Bürgermeisterin Marlies Schneeberg. "Ich hatte andere Verpflichtungen und war selbst nicht auf dem Fußballplatz. Ich bin mir aber sicher, dass das nicht die echten Fans waren. Das kann man nicht dulden."