Im Vorjahr erwirtschaftete der Lotto- und Totoblock in Deutschland insgesamt 6,7 Milliarden Euro. Möglich macht das Online-Lotto der Staatsvertrag zum Glücksspiel, der seit Anfang Juli gilt. Tipps im Internet waren bereits nach der Jahrtausendwende möglich, wurden aber 2006 vom Bundesverfassungsgericht verboten.
"Wir wollen mit dem neuen Angebot insbesondere junge Leute ansprechen", erklärte am Montag Ute Semkat, Sprecherin der Lotto Toto GmbH Sachsen-Anhalt. Viele würden bereits im Internet spielen - oft aber illegal bei ausländischen Anbietern. "Diesen Leuten wollen wir ein legales Angebot machen."
Das Magdeburger Gesundheitsministerium begrüßte diesen Schritt. "Bisher haben viele Menschen schwarz gespielt, jetzt wird das Ganze endlich aus der Grauzone herausgeholt", sagte Sprecher Holger Paech. Letztlich entscheiden über das Online-Lotto muss jedoch das Innenministerium. Dies kündigte an, über einen entsprechenden Antrag der Lottogesellschaft nach dem Ablauf einer Anhörungsfrist am 24. Juli "unverzüglich" zu entscheiden.
Eine erhöhte Suchtgefahr sieht die Lottogesellschaft durch das neue Angebot nicht. "Lotto, Glücksspirale und Eurojackpot sind für echte Zocker schon daher langweilig, weil es nur ein oder zwei Ziehungen in der Woche gibt", sagte Semkat. "Da ist das Suchtpotenzial gering." Zudem müssten Online-Spieler erst ein Formular mit einigen persönlichen Angaben wie dem Alter ausfüllen und dies persönlich in einer Annahmestelle abgeben. "Damit sind jugendliche Spieler unter 18 Jahren raus." Gelegenheits-Tipper können sich im Internet ein Konto im Wert von 50 Euro einrichten. "Ist die Summe aufgebraucht, ist auch Schluss", sagte Semkat.
Auch die Landeskoordinationsstelle Glücksspielsucht nannte das Online-Lotto "vergleichsweise risikoarm" und verwies ebenfalls auf die wenigen Ziehungen. "Wir setzen aber auch auf das geschulte Personal in den Annahmestellen", sagte Sprecher Marcel Christoph. Zudem sei er sicher, dass die staatliche Gesellschaften auf ihr Image bedacht seien. "Die können sich keinen Skandal erlauben."
Befürchtungen, dass vielen Annahmestellen durch die Online-Tipps Einbußen drohen, wies Lotto-Sprecherin Semkat zurück. "Wir wollen keine einzige Verkaufsstelle vom Netz nehmen. Das neue Angebot ist eine Ergänzung, keine Konkurrenz."