Gröbzig: Mäusebussard Johann ist weg

10.08.2012 19:23 Uhr | Aktualisiert 10.08.2012 22:28 Uhr
Ulrich Feldmann mit Hund Bobby (FOTO: UTE HARTLING-LIEBLANG) 
Von Ute Hartling-Lieblang
Besorgte Gröbziger finden verletzten Mäusebussard, Naturschützer entdeckt ihn in Waschbär-Falle. Tierarzt Feldmann freut sich über das Wiedersehen.
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Gröbzig/MZ. 

Es war einer dieser Anrufe, die den Naturschützer Andreas Rößler über die Leitstelle des Landkreises mitunter auch am Wochenende erreichen. Ein Ehepaar aus der Halleschen Straße in Gröbzig hatte einen verletzten Mäusebussard gefunden und war ganz aufgeregt, was mit dem Tier geschehen sollte. Rößler fuhr nach Gröbzig und sah sofort, dass sich das Tier den Flügel gebrochen hatte. Eigentlich das Todesurteil für so ein Wildtier, weil Röhrenknochen kaum heilen.

Doch wie sollte er das den besorgten Tierfreunden beibringen?

"Ich habe den Vogel also mitgenommen", erzählt Andreas Rößler. Nicht in den Tierpark - wo man solche Tiere nicht aufnimmt - sondern zum nächsten Zuckerrüben-Acker in der Nähe von Großpaschleben. Dort habe er dem Bussard noch alles Gute gewünscht. An Mäusen, die er zur Not auch zu Fuß jagen kann, werde es ihm hier nicht mangeln, war der Naturschützer überzeugt. Tage später klingelte es an Rößlers Tür. "Da sitzt ein Mäusebussard vorm Hühnerstall", erzählte ihm eine Nachbarin. "Ich wusste gleich, dass es derselbe Bussard war", berichtet Rößler.

Dann habe er ihn wieder zurück aufs Feld gebracht und aus den Augen verloren.

Glücklicher Zufall

Doch wie es der Zufall wollte, hörte Familie Rößler davon, dass der Gröbziger Tierarzt Ulrich Feldmann einen verletzten Mäusebussard in Pflege hatte, der ihm ausgerückt ist. Der Verlust von "Johann", wie Feldmann den Vogel getauft hatte, habe ihn traurig gestimmt, weil er ihn gerade wieder aufgepäppelt hatte, erfuhr Rößler. Das habe ihm leidgetan und so habe er sich mit seiner Familie auf die Suche nach Johann gemacht. Leider ohne Ergebnis.

Bis zu dem Tag, als Andreas Rößler wiedermal seine Kastenfalle kontrollierte, die er für die Waschbären aufgestellt hatte. "Und wen habe ich dort gefunden?", fragt Rößler und fügt an: "Johann, der ziemlich gut genährt aussah." Ulrich Feldmann hat seinen Mäusebussard dann freudig in Empfang genommen.

In der Praxis des promovierten Tierarztes in der Gröbziger Puschkinstraße 3a, die er seit über 20 Jahren betreibt, wollen wir uns nach Johann erkundigen. Doch der ist mal wieder unterwegs, wie öfter in letzter Zeit, berichtet Feldmann. Dann erzählt er, wie Johann vor einigen Wochen von besorgten Tierliebhabern flugunfähig zu ihm gebracht wurde. Mit homöopathischen Medikamenten, die die Bildung von Knochengewebe begünstigen, habe er den Bussard behandelt und ihn zum Auswildern einen Platz im hinteren Teil seines weitläufigen Grundstückes zur Verfügung gestellt. "Ein Wildtier ist in der freien Natur am besten aufgehoben", erklärt der Tierarzt, warum er den Vogel nicht in eine Voliere gesetzt hat. In dem parkähnlichen Gelände kann der Bussard sich verstecken oder auch auf der Sitzstange hocken, die Feldmann aufgestellt hat. Reichlich Nahrung hat der Tierarzt aus einer Köthener Zoohandlung besorgt. Weil er tote Mäuse und zum Teil auch Ratten dort in größerer Stückzahl kaufte, habe man ihn gefragt, was er für eine Riesenschlange zu Hause damit füttern wolle. Offenbar habe sich der Vogel so gut erholt, dass er die Flügel wieder benutzen kann. Nicht für weite Strecken, denkt Feldmann, aber doch so gut, dass er es über den Zaun geschafft hat, kurz nachdem eines Tages sein Bussard-Partner auf dem Feldmannschen Grundstück auftauchte.

Inzwischen seien die Nachbarn über dem Vogel informiert, sagt der Tierarzt. Da Johann keine Scheu vor Menschen habe, sei er leicht einzufangen. Wer ihn findet, sollte ihn zu ihm bringen, bittet der Tierarzt, dem der Vogel inzwischen ans Herz gewachsen ist. So wie sein treuer Gefährte, Hund Bobby, oder die beiden Katzen, die auf dem Grundstück leben.

Ulrich Feldmann ist mit Leib und Seele Tierarzt und wollte das schon als kleiner Junge werden. Im Vogtland, wo er aufgewachsen ist, hat er in der Station Junger Naturforscher und im angrenzenden Zoo die Liebe zur Natur und zu den Tieren entdeckt. Heute behandelt er in seiner Praxis vorwiegend Kleintiere. Und es ist kein Witz, wenn er erzählt, dass er schon eine Maus operiert und einen Elefanten im Zirkus behandelt hat.

Nur ein Gerücht

Seine Patienten kommen nicht nur aus Gröbzig und Umgebung, auch aus Dessau, Halle, dem Salzland- und Saalekreis, sogar aus Bad Düben. Außerdem betreut er die Tiere im Köthener Tierheim, wo er es oft auch mit ausgesetzten Katzen zu tun hat, was den Tierarzt besonders ärgert. Obwohl er schon auf die Sechzig zugeht, denkt Ulrich Feldmann nicht ans Aufhören. "Man erzählt sich ja, dass ich nach Kanada auswandern will", schmunzelt er, aber da sei ebenso wenig dran wie an dem Gerücht, das Köthener Tierheim mache zu.