Lions-Club-Schatzmeister Martin Flath (Mitte) wird beim Gießen vom siebenjährigen Malte unterstützt. (FOTO: T. MEINICKE)
In den Klostergärten des Mittelalters waren sie ebenso anzutreffen wie im Arzneimittelgarten, den August Hermann Francke seinerzeit angelegt hat: Kräuterpflanzen von A wie Apfelminze bis Z wie Zitronenthymian. Über 60 Kräutersorten, davon viele fast vergessen, haben jetzt in der neuen Kräuterspirale im Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen Einzug gehalten.
Zum schon traditionellen Dattelpalmenfest, das am Mittwoch in den Stiftungen mit dem Auszug des biblischen Gewächses aus dem Gewächshaus und dem Angießen im Freien bereits zum fünften Male begangen wurde, konnte Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke die Fertigstellung der spiralförmigen Pflanzanlage verkünden. Sie ist ein Baustein innerhalb des von Land, europäischer Union und dem Freundeskreis der Stiftungen geförderten Projekts "Umweltbildung im Lehrgarten der Franckeschen Stiftungen zu Halle", das seit 2008 Vor- und Grundschulkinder mittels ökologischer Gartenarbeit und umweltpädagogischer Angebote Natur nahebringt - ganz im Sinne des Stiftungsgründers.
Möglich wurde die Einrichtung der Kräuterspindel dank der finanziellen Unterstützung des Rotary Clubs Georg Friedrich Händel, vertreten durch dessen Präsident Hans-Georg Sehrt, sowie des Lions Clubs Halle, für den Schatzmeister Martin Flath erschienen war. Beide Clubs spendeten jeweils die Hälfte der Kosten von 2 500 Euro.
Nachdem am Mittwoch nun während eines bunten Mitmachfestes die Kinder von auf dem Gelände ansässigen Einrichtungen zunächst die Palme gewässert und mit einem Frühlingslied begrüßt hatten, wurden die Gießkannen erneut gefüllt. Schließlich sollten auch die Kräuterpflanzen, deren Zahl in den nächsten Tagen auf insgesamt 200 im wahrsten Wortsinne anwachsen wird, gute Startbedingungen erhalten.
Bevor die Schar kleiner Gärtner loszog, erläuterte der an der Einrichtung der Spindel beteiligte Heilkräuter-Experte Hilmar Burggrabe, eigens aus dem thüringischen Holungen angereist, Aufbau und Funktionsweise der sieben Meter im Durchmesser fassenden Kräuterspirale. "Jede Pflanze hat bei dieser Anbauweise die für sie idealen Wachstumsbedingungen", so Burggrabe. Während unten der Boden gehaltvoll sei, werde er nach oben hin immer magerer - entsprechend würden die Pflanzen eingesetzt.
Über 60 Sorten Kräuter mit klangvollen Namen wie Ysop, Muskateller-Salbei oder buntlaubiger Beifuß werden nun demnächst nicht nur den Speiseplan des kulturellen Kinderfreitischs im Krokoseum, der jeden Donnerstag einlädt, ergänzen. Auch den Lehrern und Erziehern der Bildungseinrichtungen auf dem Stiftungsgelände sowie für die Ausbildung der Lehramtsstudierenden steht die Kräuterspirale zur Verfügung.