Cornelia Neid steht mit sieben Kolleginnen in einer Reihe am Fließband und verpackt Schokoladensterne in Pralinenkästen. Ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag in der Halloren-Schokoladenfabrik in der Delitzscher Straße - und doch etwas Besonderes. In der Produktionshalle ist nämlich mitten im Hochsommer schon die Weihnachtszeit angebrochen. Die Mitarbeiterinnen verpacken nicht wie üblich Hallorenkugeln, sondern allerlei Weihnachtsschokolade. Die Palette reicht von Weihnachtsmännern über -Sterne bis zu -Pralinen.
"In den Sommermonaten haben wir immer viel zu tun", erläutert Pressesprecher Tino Müller. Schließlich müsse die Winterschokolade bis zum "Pralinenstart" fertig produziert und verpackt sein. Der Pralinenstart? Zum Pralinenstart stellen die großen Supermarktketten ihr Sortiment auf Winterware wie Weihnachtsschokolade oder eben Pralinen um. Je nach Bestellung der Ketten produziert die Hallorenfabrik von Juni bis August Weihnachtssterne in den klassischen Geschmacksrichtungen wie Apfel-Zimt oder Pflaume-Rum. "Wenn dann die eigentliche Weihnachtszeit beginnt, ist unsere Halle voll mit Osterhasen und Ostereiern. Wir sind der Zeit also immer voraus" erzählt Müller weiter.
Die Mitarbeiter haben sich mittlerweile an die Weihnachtsstimmung im Sommer gewöhnt. Cornelia Neid arbeitet schon seit sieben Jahren in der Schokoladenfabrik und wundert sich nicht mehr über die verkehrte Welt im August: "Klar ist das ungewöhnlich. Aber wir gucken da inzwischen nicht mehr hin. Schokolade ist doch Schokolade", sagt sie.
Auch in einem kleinen Raum neben der Produktionshalle wird an Weihnachtsware gearbeitet - allerdings im kleineren Stil. Im Labor tüfteln zwei Mitarbeiter ständig an neuen winterlichen Schokokreationen. Tino Müller erklärt: "Innovation ist wichtig. Wir brauchen regelmäßig neue Produkte, um uns gegen die Konkurrenz zu behaupten." Der Markt für Schokolade sei sehr stark umgekämpft. Auch deshalb sei man im Unternehmen stolz, dieses Jahr mehr als 4 500 Tonnen Weihnachtsware zu verkaufen.
Während in anderen Unternehmen also gerade Sommerloch herrscht und die Auftragsbücher meistens leer sind, brummt in der Hallorenfabrik die Produktion. Dabei ist der Sommer gar keine Schokoladenzeit. Im Gegenteil: Gerade bei warmen Temperaturen greift man eher zum kühlen Eis, als zur Vollmilchtafel. Tino Müller rät seinen Kunden trotzdem, sich schon so früh wie möglich mit Weihnachtsschokolade einzudecken. Die Produkte, die jetzt hergestellt werden, sind sechs bis zwölf Monate haltbar. Der Weihnachtsmann, der erst kurz vor Heiligabend gekauft und genascht wird, liegt also schon eine ganze Weile. Müller empfiehlt deshalb: "Am besten schmecken die Produkte, wenn man sie gleich im September isst. Dann sind sie am frischesten."
Klingt logisch. Nur müsste man dann ja auch - im Sinne der "frischen" Schokolade - an Weihnachten schon wieder Schokoladenosterhasen essen.