Halle: Alte Liebe mit wenig Donner

10.07.2012 21:43 Uhr | Aktualisiert 10.07.2012 22:18 Uhr
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Ursula und Werner Müller

Seit 70 Jahren verheiratet und noch immer voller Liebe: Ursula und Werner Müller. (FOTO: LUTZ WINKLER)

Von caludia Crodel
Ursula und Werner Müller feierten am Dienstag die Gnadenhochzeit. Kennengelernt haben sie sich beim Tanz in der Trothaer Gaststätte "Adler".
Halle (Saale)/MZ. 

Eigentlich hätte aus der Beziehung zwischen Ursula und Werner Müller gar nichts werden dürfen. Als sie sich im "Adler" beim Tanzen in Trotha kennenlernten, hat es zwischen den beiden zwar gleich gefunkt, aber: "Ich bin ihr gleich bei einem der ersten Tänze auf den Schuh getreten. Und ich bin ja immer scheu gegenüber Mädchen gewesen. Es hat mir so leidgetan und fast hätte ich mich nicht getraut, sie noch mal zum Tanz aufzufordern", erinnert sich Werner Müller. Dann ist doch alles anders gekommen. Es wurde eine Beziehung, die nun schon über 70 Jahre andauert. Am Dienstag konnten Ursula und Werner Müller, die mittlerweile 88 beziehungsweise 91 Jahre alt sind, das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern. "Ich kann mich noch ganz genau an unsere Hochzeit erinnern. Die war noch im Alten Rathaus. Ich sehe die hölzerne Treppe noch genau vor mir", meint Ursula Müller. Die Rede des Standesbeamten sei dagegen spurlos an ihr vorbeigezogen. "Auf dem Fußboden lagen Geldstücke. Die haben mich komplett abgelenkt."

Groß gefeiert haben die beiden schon einmal vor zweieinhalb Jahren, die sogenannte Steinerne Hochzeit. Da waren sie 67-einhalb Jahre verheiratet. "Damals waren wir beide sehr krank und wussten nicht, ob wir die Gnadenhochzeit noch erleben können", erzählt Ursula Müller, die umso froher ist, dass sie nun zum 70. Hochzeitstag wieder die gesamte Familie mit drei Kindern, sieben Enkeln und neun Urenkeln um sich scharen konnte.

"Wir haben viel erlebt. Und vieles war so schön", meint Werner Müller ein wenig wehmütig. Doch die ersten Jahre ihrer Ehe waren sehr schwer. Werner Müller musste in den Krieg ziehen, wurde verletzt - nur das Fernglas, das er gerade vor Augen hatte, habe ihm offenbar das Leben gerettet. Dann kamen viereinhalb Jahre russische Gefangenschaft, da war der erste Sohn schon geboren und seine Frau allein mit dem Kind zu Hause. In Gefangenschaft habe er Glück gehabt. Er habe in einer Theatergruppe mitgespielt und als Schlagzeuger Musik gemacht. So etwas hätten die Russen gemocht.

Auch später habe er in der Gartenkapelle des Kleingartenvereins am Gleisdreieck mitgespielt. Im Garten hatte Ursula Müller, die meist Hausfrau war, nur zeitweise in einem HO-Geschäft am Steintor arbeitete, die Hoheit über die Blumen. Noch heute hat sie selbst gezogene Pflanzen auf dem Balkon ihrer Wohnung auf der Silberhöhe stehen. Und sie liebt noch immer Handarbeiten. Werner Müller war Malermeister und bildete Lehrlinge aus. In seiner Freizeit war er Angler, Ornithologe im Naturschutzbund und 50 Jahre lang aktiv in der Jägerschaft. Jagdtrophäen im Flur der Wohnung zeugen davon. Außerdem hat er viele Ölbilder gemalt, meist mit Jagd- oder Blumenmotiven.

Und haben sie in der langen Ehe nie gestritten? "Es gab auch mal kleine Donnerwetter. Doch ein Gewitter reinigt die Luft", so Ursula Müllers Weisheit.