Halle: Behinderte bleiben außen vor

11.05.2012 20:57 Uhr | Aktualisiert 14.05.2012 22:14 Uhr
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Steintor-Campus

So soll der Steintor-Campus künfitg aussehen. (FOTO: MZ)

Von Felix Knothe
Beim Neubau des Steintor-Campus der Uni spart das Land kräftig - und zwar an der Barrierefreiheit. "Da haben wir große Probleme, vor allem in den Neubauten", sagt die Behindertenvertreterin der Martin-Luther-Universität Monika Lücke.
Halle (Saale)/MZ. 

Ausgerechnet beim Prestigeprojekt des Landes in Halle, dem neuen Geistes- und sozialwissenschaftlichen Zentrum der Universität (GSZ), werden offenbar wesentliche Baubestimmungen nicht eingehalten. Es geht um die Barrierefreiheit auf dem künftigen Campus am Steintor. "Da haben wir große Probleme, vor allem in den Neubauten", sagt die Behindertenvertreterin der Martin-Luther-Universität Monika Lücke.

Gemeinsam mit Renate Federle, der Vorsitzenden des Uni-Personalrates, hat sie sich über Monate in Baupläne, Bauordnungen und Gesetze eingearbeitet, und nun erheben die beiden gravierende Vorwürfe. "Das Land verstößt gegen seine eigenen Gesetze", sagt Federle.

Gemeint ist unter anderem das Behindertengleichstellungsgesetz, in dem für Neubauten die allgemein anerkannten technischen Normen der Barrierefreiheit vorgeschrieben sind. Doch das Land hat die einschlägige DIN-Norm von 2010 noch nicht eingeführt. "Aber selbst gegen die gültige Bauordnung des Landes wird verstoßen, denn auch dort steht die Barrierefreiheit drin", sagt Lücke.

Konkret bemängelt sie, dass im großen Bibliotheksneubau ein ursprünglich für den Besucherverkehr eingeplanter Fahrstuhl gestrichen wurde. Jetzt wird nur der Schacht gebaut. Außerdem sind Flure und Treppen im GSZ generell zu eng ausgelegt. "Vorschrift bei Fluren ist eine Breite von 1,50 Metern. Geplant sind aber Flure von 1,26 Metern", so Lücke. Bei Treppen könnten nicht auf jeder Seite Geländer angebracht werden. Beides sei im Alltag problematisch, im Fluchtfall werde es aber zur Gefahr für Geh- oder Sehbehinderte.

Paradox ist, dass die Probleme in den Neubauten des Steintor-Campus auftreten. Lücke: "Bei den Altbauten haben wir mit dem zuständigen Landesbetrieb Bau gute Lösungen gefunden." Uni-weit gibt es laut Lücke derzeit bis zu 1 000 Menschen mit Behinderung, rund 300 sind schwerbehindert. Uni-Kanzler Martin Hecht stellt sich hinter die Forderungen: "Ich gehe davon aus, dass der Landesbetrieb die Dinge regelt, damit wir ein Gebäude bekommen, das den Anforderungen an Barrierefreiheit gerecht wird."

Beim Finanzministerium, dem der Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement unterstellt ist, sind die Probleme mittlerweile bekannt. Eine intensive rechtliche und bauspezifische Prüfung sei eingeleitet worden. Nachbesserungsbedarf werde berücksichtigt. Die Arbeiten an dem 52-Millionen-Euro-Projekt haben bereits begonnen. Zudem sind die Kosten politisch auf diesen Betrag gedeckelt worden. Ob es noch Veränderungen während des Baus geben wird, ist also fraglich.