Halle: Das Leben als Zugabe

07.08.2012 21:23 Uhr | Aktualisiert 21.01.2013 16:01 Uhr
Doris Herrmann mit ihrem Buch. Sie selbst bezeichnet sich als zufriedene Frau. (FOTO: THOMAS MEINICKE) 
Von Laura Hiepe
Doris Herrmann hat den Krebs besiegt und darüber ein Buch geschrieben. Damit will die Hallenserin Frauen Mut machen, die Ähnliches erfahren haben.
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Halle (Saale)/MZ. 

An einem Abend im Januar 1995 entdeckt Doris Herrmann nach dem Duschen einen seltsamen Knoten in ihrer Brust. Wenige Tage später erhält sie die Diagnose: Brustkrebs. Was in der ersten Zeit ein Schock war, verwandelt sich schließlich in ein Buch, das dieses Jahr erschienen ist. In "Von der Bahre zur Wiege" schildert sie ihre Erlebnisse mit der Krankheit und ihren Weg der Verarbeitung. Ausgelöst durch die direkte Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens, stellt sie sich im Buch Fragen: "Wer war ich? Wie war ich? Was wird von mir bleiben?" Ihre Erinnerungen führen sie dabei bis in ihre frühste Kindheit.

Geboren ist Doris Herrmann 1937 in Jena. Dort verbrachte sie auch die meiste Zeit ihres Lebens. Bereits im Krieg machte sie ihre erste prägende Erfahrung. Doris Herrmann und ihre Mutter wurden bei einem Angriff in einem Bunker unter Trümmern verschüttet. In ihrem Buch schreibt sie: "Ich habe zwei der schlimmsten Geiseln der Menschheit kennenlernen müssen: in der Kindheit den Krieg, im Alter den Krebs."

Nach ihrem Abitur ging sie als Leichtathletin an die Sporthochschule Leipzig. Ihr Studium brach sie allerdings ab, um eine Ausbildung zur Technischen Zeichnerin zu beginnen und anschließend Physik in ihrer Heimatstadt Jena zu studieren. Ihr Geld verdiente sie mit technischen Zeichnungen für medizinische Fachliteratur. Nach Halle kam Doris Herrmann erst nach der Wende. Sie zog mit ihrem zweiten Ehemann hierher, wo sie bis zur Krebsdiagnose 1995 mit ihm und den Kindern lebt.

Mit der Nachricht vom Arzt begann die Leidenszeit: Operation, Chemotherapie und Bestrahlung blieben nicht ohne Nebenwirkungen. Ständige Übelkeit und Haarausfall waren noch die geringsten. "Man steht neben sich und fühlt sich unendlich einsam", beschreibt sie diese Zeit. Ihre Stimme zittert.

Die Familie stand zwar immer an ihrer Seite, die Schmerzen und die Gefühle der Angst aber teilte sie mit anderen Menschen - mit zehn Frauen, die damals ebenfalls auf der Station für Brustkrebs lagen. Ihnen gemeinsam war ein Schicksal. Ihre Leidensgefährtinnen wurden Freundinnen, sie unterstützten sich gegenseitig. Mit vielen von ihnen trifft sich Doris Herrmann noch heute. Die Frauen haben ihr Mut gemacht und Kraft gegeben. Mut soll auch ihr Buch machen. Doris Herrmann möchte deutlich zeigen, dass Frauen mit dieser Diagnose nicht alleine sind. "Krebs ist nicht das Ende", erklärt sie. "Für mich ist dieses Leben eine Zugabe." Wichtig ist ihr aber auch eine andere Botschaft: "Man muss auf seinen Körper achten und ihm zuhören. Sport, gesundes Essen und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sollten einen festen Platz im Leben einnehmen." Sie selbst geht vier Mal in der Woche in ein Fitnessstudio und zusammen mit ihrem Mann jedes Jahr auf Kur.

Ihre Neigung zu schreiben zeigte sich schon während ihrer Mitarbeit für ein Seniorenmagazin. Ihre Themen, über die sie bis heute schreibt, handeln oft von Mythologie, Physik und Kultur. Ihr größter Wunsch: Sie möchte Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben, mit ihrem Buch erreichen.

Doris M. Herrmann "Von der Bahre zur Wiege" erhältlich im Internet und über die Deutsche Literaturgesellschaft, Preis: 12,80 €