Halle: Die Fans lassen’s krachen

20.05.2012 22:19 Uhr | Aktualisiert 20.05.2012 22:55 Uhr
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Feierstimmung

Tausende feierten am Samstag ihre Helden. (FOTO: MZ)

Von Jan Möbius
Die Emotionen während der Aufstiegsparty kochten über, Tränen flossen, die Fans tobten. Derweil verteilte das Ordnungsamt Knöllchen.
Halle (Saale)/MZ. 

So eine Fußballparty hat Halle seit Jahren nicht mehr erlebt: Die kleine Kantstraße direkt vor dem Erdgas-Sportpark hatte sich am Samstag gut eine halbe Stunde nach dem Abpfiff in ein riesiges Meer aus rot-weißen Trikots und Fahnen verwandelt. Die Fans des Halleschen FC feierten so dicht gedrängt, dass an ein Durchkommen kaum noch zu denken war. "Nie wieder vierte Liga!" Das war bis zum Abend das bestimmende Motto einer rundherum friedlichen Aufstiegsparty.

Erst mal müde Gesichter

Offenbar aber hatten die 90 Minuten anfeuern, jubeln und Daumen drücken im Stadion bei vielen Fans schon erste Spuren hinterlassen. Statt ausgelassener Stimmung bestimmten zunächst müde Gesichter das Bild vieler Besucher des Spiels. "Na aufgestiegen eben", raunte ein älterer Herr mit rot-weißem Schal in der Hand auf die Frage, wie er sich denn nun fühle. "Jetzt habe ich erst mal Durscht", ergänzte der Hallenser noch schnell.

Den Wunsch nach einem kalten Bier konnte man ihm auch nicht verübeln. Weil das Duell zwischen dem HFC und den Kickern von RB Leipzig vom Deutschen Fußballbund als Sicherheitsspiel eingestuft worden war, durfte nämlich vor und während des Spiels im Stadion und auch rundherum kein Bier ausgeschenkt werden. Dieser Umstand bescherte den umliegenden Supermärkten allerdings ein riesiges Umsatzplus - Kistenweise wurde dort von den Fußballfans das Bier rausgeschleppt. Das Alkoholverbot vor dem Erdgas-Sportpark war verpufft.

Es dauerte nach dem Abpfiff aber nicht lange, bis die Emotionen auf der Partymeile in der Kantstraße überzukochen begannen. Die Mannschaft um Trainer Sven Köhler ließ sich nicht lange bitten. Noch völlig durchgeschwitzt und mit Badelatschen an den Füßen bahnte sich die Elf einen Weg durch die Massen von mehreren Tausend sehnsüchtig auf ihre Helden wartenden Fans. Ein Halten gab es vor der SAW-Bühne schließlich nicht mehr, als dort Stürmer Toni Lindenhahn, Torhüter Darko Horvat und Co. auftauchten und die Gratulation von Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) entgegennahmen. Jubelschreie, tosender Applaus, Tränen - die Fans waren aus dem Häuschen. "Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Das ist so klasse hier", schwärmte der 19-jährige Christian Breuer.

Derweil freut sich Janine Seidel aus einem ganz anderen Grund über den HFC-Erfolg. Die gebürtige Stuttgarterin, die seit eineinhalb Jahren in Halle lebt, ist ein eingefleischter Fan der Stuttgarter Kickers. Und die sind in dieser Saison ebenfalls in die dritte Liga aufgestiegen. "Wenn die Hallenser gegen die Kickers spielen, dann wird das für mich eine geilere Partie sein als jedes WM-Finale - weil das meine zwei Städte sind: die Heimat und die neue Heimat."

Fußball und Händels-Open

Weniger Grund zum Jubeln dürften wohl die Besucher des Spektakels am Stadion gehabt haben, die am Abend zu ihren Autos zurückgekehrten. Wenn diese nämlich nicht auf einem der offiziellen Parkplätze gestanden hatten, war ein Knöllchen garantiert. Dafür sorgten sieben Streifen des Ordnungsamtes. Dieses Schicksal dürfte wohl auch Cornelia Pieper (FDP) ereilt haben. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt hatte ihren Pkw mit Saale-kreiskennzeichen auf einer Grünfläche abgestellt. Und das mochte das Ordnungsamt nun gar nicht.

Alles in Ordnung schien am Abend zunächst auf dem Hallmarkt, wo sich etliche Fußballfans zum kurzerhand angesetzten Public Viewing des Champions-League-Finales eingefunden hatten. Händels-Open-Veranstalter Lubomir Danailow hatte dies wegen eines abgesagten Konzertes organisiert. Doch durch das Bayern-Debakel war die Freude über das Angebot stark überschattet.