Überraschend war auch für Projektleiterin Kerstin Völkl vom halleschen Uni-Institut für Politologie das Ergebnis: "Wir haben auch nach dem zweitwichtigsten Problem gefragt. Auch hier waren Arbeit, Verkehr und Finanzen die meistgenannten Themen." Andere Bereiche, die man hätte als Top-Themen vermuten können, liegen dagegen weit angeschlagen hinten im Ranking: Graffiti, Alkoholkonsum im öffentlichen Raum, das schlechte Image der Stadt oder Kürzungen im Kultur-Bereich wurden nur von wenigen genannt.
"Aber auch Probleme, die tatsächlich da sind, wie Überalterung und Abwanderung sind in der Wahrnehmung der Bürger nicht so präsent", nennt Kerstin Völkl ein weiteres nicht erwartetes Ergebnis der Studenten-Umfrage.
Die exakt 807 Befragten im Alter von 16 bis 90 Jahren aus allen Stadtteilen sahen vor allem die hohe Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen als das drängendste Problem - 18 Prozent der Interviewten nannten dies. Knapp 18 Prozent nannten die hohe Verschuldung der Stadt, den unausgeglichenen Haushalt und die Probleme der Haushaltskonsolidierung als wichtigste Themen.
Bei Verkehrsfragen - die mit knapp elf Prozent an dritter Stelle lagen - sehen die Hallenser laut der Umfrage schlechte Verkehrsführung, schlechte Straßen, kaputte Fußwege und zu wenige Radwege als Ärgernis. Ebenso wurden Unpünktlichkeit und zu schlechte Anbindung von Bussen und Bahnen kritisiert.
Angebunden an die Umfrage, die 141 Studenten durchgeführt haben, war auch eine Erhebung zur Oberbürgermeisterwahl - die freilich erst nach den Interviews im Juli stattgefunden hat. Danach hätte Bernhard Bönisch (CDU) vor Kay Senius (SPD) das Rennen gemacht. Der dann später gewählte parteilose Bernd Wiegand kam auf den sechsten Platz. Für die Politologin ist dieses Ergebnis jedoch erklärbar: "45 Prozent der Befragten wollten hierzu keine Antwort geben." Außerdem seien zu viele Hallenser vor 16 Uhr befragt worden und damit zu wenige Berufstätige, um einen repräsentativen Schnitt zu erreichen. Was für Völkl aber dem Wert der Umfrage keinen Abbruch tut - vor allem Statistik sowie Vor- und Aufbereitung einer Umfrage sollten die Studenten hiermit lernen. "Außerdem können wir an den Daten auch das Wählerverhalten erklären", so die Wissenschaftlerin.