Die Händel-Halle ist sanierungsbedürftig (FOTO: MZ)
Im Oktober kommt Ost-Schlagerlegende Ute Freudenberg. Wenig später gibt sich Genre-Kollege Frank Schöbel die Ehre. Und für 2013 sind unter anderem Roland Kaiser und Blödel-König Otto angekündigt. Die Georg-Friedrich-Händel-Halle am Salzgrafenplatz ist für Künstler und Kongressveranstalter eine erste Adresse in Halle. 14 Jahre nach Eröffnung des Hauses sind aber unter anderem die Ton-, die Licht- und die Haustechnik sowie Teile des Mobiliars total verschlissen oder verbrauchen zu viel Energie. Angesichts des großen Investitionsbedarfs hat bei der Stadt als Eigentümerin das spitze Rechnen begonnen: Um die Kosten stemmen zu können, soll der Betrieb der Halle neu ausgeschrieben und der neue Hausherr mit in die Pflicht genommen werden.
Am Mittwoch hat der Hauptausschuss bereits zugestimmt, den bis Ende 2013 laufenden Vertrag mit dem jetzigen Betreiber, der Firma Event-Net, nicht zu verlängern und die Halle neu auszuschreiben. Ende Juni soll der Stadtrat abschließend entscheiden. Den genauen Investitionsbedarf kann Halles Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann nach eigenen Angaben zwar noch nicht beziffern. "Wir sind noch dabei, das zu ermitteln", sagt er. Nach 14 Jahren sei es aber normal, dass die Technik "herunter" sei. Es seien jedenfalls "keine Millionensummen" nötig. Laut Neumann enthalte der 2009 in Kraft getretene Vertrag mit Event-Net aber keine Festlegungen, wann welche Investitionsmaßnahmen vorzunehmen sind und wie diese finanziert werden. Damals sei das schlicht versäumt worden. "Wir wollen dies in den Vertrag nun mit aufnehmen", sagt Neumann. Vorbild dabei sei der Vertrag mit den Stadtwerken zum Betrieb der Bäder, der Festlegungen zu Investitionen enthalte.
Bei Event-Net, das auch das Steintor-Varieté betreibt, hat das Vorgehen der Stadt Befremden ausgelöst. 220 Veranstaltungen holt die Firma pro Jahr in die Händel-Halle. Geschäftsführer Rudenz Schramm rechnet vor, dass man dort bereits viel Geld aus eigener Tasche aufgewendet habe, um beispielsweise Mängel beim Blitz- und beim Brandschutz zu beseitigen und um die Toilettenanlagen zu modernisieren. Schramm bestätigt, dass die Tontechnik dringend modernisiert werden muss. "Das kostet mehrere 100 000 Euro", so Schramm. Dazu und zur Modernisierung der Belüftungstechnik habe man der Stadt Umsetzungsvorschläge unterbreitet. "Doch dort hieß es immer nur: Wir haben kein Geld", kritisiert der Event-Net-Chef. Schramm signalisiert zeitgleich, die Händel-Halle gern weiter betreiben und sich auch an einer möglichen Ausschreibung beteiligen zu wollen.
Die Stadt zahlt Event-Net pro Jahr für die Händel-Hallen-Bewirtschaftung rund 450 000 Euro. Neumann stimmt sogar Schramms Argumentation zu, dass das ein günstiger Preis für die Stadt sei. Die Pläne von einem neuen Vertrag richteten sich nicht gegen Event-Net, so der Dezernent. "Wir würden uns freuen, wenn sich der jetzige Betreiber wieder bewerben würde." Um die nötigen Investitionen abzufedern, gehe er davon aus, dass die Stadt auch einen höheren Jahreszuschuss zahlen werde.
Schramm, der sich zu möglichen eigenen finanziellen Zugeständnissen nicht äußern will, hat indes noch andere Probleme: So lange unklar sei, wie und mit wem es ab 2014 in der Händel-Halle weitergehe, könnten für diese Zeit noch keine Veranstaltungen gebucht werden. Doch gerade jetzt und in den kommenden Monaten sei der richtige Zeitpunkt dafür. "Das ist nicht gut für die Halle", so Schramm. Neumann sichert derweil zu, nach einer Lösung für einen nahtlosen Übergang suchen zu wollen.