Prominenter Besuch: Auf dem Friedemann-Bach-Platz referierte der große Anatom Meckel alias Vincent Göhre (im Hintergrund die Leopoldina). (FOTO: G. BAUER)
Was für ein Ansturm! Wohin man in der vergangenen Nacht auch schaute - Menschen über Menschen. Kaum jemand, der am Freitagabend nicht unterwegs war, um sich an den Orten des Wissens und der Weisheit, der Bildung und der Forschung schlau zu machen und dabei gut unterhalten zu werden. Vergnüglich und anschaulich wurde in dieser Langen Nacht der Wissenschaften in mehr als 300 Veranstaltungen an 75 Einrichtungen Wissen vermittelt und so manches Aha-Erlebnis möglich - für den vierjährigen Knirps ebenso wie für gestandene Erwachsene.
Riesenandrang herrschte auch im neuen Hörsaalgebäude am Institut für Chemie. Dort ging Chemieprofessor René Csuk mit allerlei interessanten Experimenten daran, das hartnäckige Vorurteil "Chemie ist das, was knallt und stinkt" zumindest teilweise zu entkräften. "Wir schrecken vor nichts zurück", warnte Csuk spaßeshalber seine Zuhörer. Und klar - es zischte und funkelte gewaltig, als Csuk im vollbesetzten Hörsaal einen mit Zigarrenasche bestäubten Zuckerhut zum Brennen brachte oder rote Blumen in einer speziellen Lösung kurzerhand in blaue verwandelte.
Großes Staunen im Publikum, als der Professor verkündete, Feuer mit Wasser entfachen zu wollen. Und tatsächlich - Experiment gelungen: Man mische nur Zinkpulver mit Metallsalzen und füge Wasser hinzu. Allzu heftig geriet allerdings eine Chemie-Vorführung in der Kurt-Mothes-Straße, zu der gegen 20 Uhr die Feuerwehr wegen extremer Rauchentwicklung auf den Plan treten musste. Glück im Experiment: Keiner kam zu Schaden.
Spannend vor allem für die kleinsten Nachtschwärmer waren am Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie Versuche mit Blattfarbstoffen und Filzstiften. Auch Richard aus Halle, sieben Jahre alt, hatte Spaß am Pipettieren mit Rotkohlsaft und Blütenblättern. Zum Mitnehmen gab es anschließend das Nachwuchsforscherdiplom.
Berühmte Wissenschaftler der Geschichte zum Anfassen säumten dagegen den Weg zwischen Leopoldina und Moritzburg. Dort waren junge Schauspieler der Improvisationsgruppe "Stabile Seitenlage" in Kostüme von Dorothea Erxleben, Julius Kühn und anderen geschlüpft und sorgten so für Rätselraten - aber auch für Wissenszuwachs bei Passanten. Ebenfalls zum Anfassen und sogar Durchschreiten bot sich in der Diakonie ein riesiges Darmmodell an.
Gedränge in der Uni-Bibliothek, lange Schlangen vor der Leopoldina, kein Durchkommen am Campus Heide-Süd und auf dem Uniplatz - keine Frage, die Lange Nacht der Wissenschaften ist bei den Hallensern inzwischen eine feste Größe im Kultur-Jahreskalender.