Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Alter Markt, Wolfgang Fleischer, hatte eingeladen. Dem Aufruf folgten viele Anwohner - der Raum in der "Goldenen Rose" war bis auf den letzten Platz besetzt. Viele mussten auch stehen. Darüber hinaus kamen Vertreter von Polizei, der Halleschen Wohnungsgenossenschaft (HWG), sowie als Innendezernent Bernd Wiegand, Halles künftiger Oberbürgermeister.
Eingangs sagte Fleischer, der Alte Markt habe sich seit einem Jahr zum Negativen entwickelt und regte an, "gemeinsam Lösungen zu finden". Stein des Anstoßes war eine Bank, die geraume Zeit direkt vor der "Galerie Gross" stand (siehe "Abbau"). Diese Bank sei laut Anwohnern nicht - wie gewünscht - von "älteren Damen oder Müttern mit Kinderwagen", sondern von Trinkern belegt worden. Erst seit vor zwei Wochen die Bank vorübergehend abmontiert wurde, herrsche wieder Ruhe.
Auch einer der drei Personen, die sich täglich vor der Galerie getroffen hatten, war gam Mittwochabend anwesend. Nach Fleischers Einleitung sagte der 34-jährige Hallenser: "Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die ich angepöbelt habe. Das alles ist mir sehr peinlich." Die Reaktionen darauf fielen sehr unterschiedlich aus. Während einige der Anwohner den Mann beschimpften, lobten andere seinen Mut, sich den Anwohnern hier zu stellen.
Umgang mit sozialer Vielfalt
Als sich die Gemüter wieder beruhig hatten, wurde die Diskussion grundsätzlicher. Ein Anwohner meinte, dass das Problem mit den Trinkern in der Innenstadt bis jetzt immer nur verdrängt wurde. "Erst waren sie am Markt, dann am Alten Markt und - durch den Abbau der Bank sind sie jetzt zum Schülershof weitergewandert." Ein anderer pflichtete bei: "Wenn die Trinker weg sind, sind sie nicht weg, sondern nur woanders!"
Andere Stimmen plädierten dafür, mit dem Thema gelassener umzugehen. Ein Teilnehmer sagte, in Halle gebe es nun mal ein bestimmtes "Milieu". Das gehöre genauso zur Stadt, wie die sauberen und schönen Ecken. Auf das Argument, dass die Trinker das Image Halles nachhaltig beschädigen würden, fragte er: "Ist euch eure Stadt etwa peinlich?"
Mehr Räume schaffen
Zwei Stunden diskutierten die Anwohner, doch Lösungsansätze waren rar. Zwei Anregungen fanden aber doch viel Zuspruch: "In anderen Städten werden diesem Milieu Räume in alten, unbewohnten Häusern angeboten. Wenn man die ein wenig herrichtet, könnten die Trinker sich dort aufhalten", argumentierte ein Anwohner. Eine Studentin aus Halle stimmte der Aussage zu. Auch für sie sei das Ganze eine Raumfrage.
"Warum gibt es nicht mehr Bänke und mehr öffentliche Toiletten in der Stadt?" Mit mehr für die jeweiligen Zwecke geeigneten Plätzen und Räumen, so die Meinung der Studentin, hätte man in dieser Stadt "auch schnell mehr Ordnung".