Mediziner fordern eine zügigere Behandlung, wenn der Verdacht auf Kindesmissbrauch besteht. (SYMBOLFOTO: DPA)
«Wenn ein verletztes Kind in eine Klinik kommt, muss schnell entschieden werden, ob ein Unfall oder eine Misshandlung vorliegt», sagte Kongresspräsident Daniel Clauß am Freitag am Rande des Treffens. Daher sei es notwendig, einheitliche Standards für die deutschen Kinder- und Jugendkliniken zu entwickeln. «Ein erster Schritt wurde bereits mit der Herausgabe eines Leitfadens getan», erläuterte der Mediziner. Dieser empfehle unter anderem, bei einem Missbrauch innerhalb von 24 Stunden ein Team aus Medizinern, Kinderschützern und Psychologen mit dem Fall vertraut zu machen.
Zudem setzten sich die Experten am Freitag für bessere Forschungs- und Lehrbedingungen ein. Oft werden Symptome eines Missbrauchs nicht erkannt. «Es ist daher wichtig, dass die Fachleute in diesem Bereich besser geschult werden», sagte Clauß.
Die zweitägige Tagung mit Vorträgen und Diskussionsrunden wird von der Arbeitsgemeinschaft Kinder in der Medizin (AG KiM) und dem Universitätsklinikum Halle veranstaltet. Am Samstag thematisieren die Experten unter anderem Gewalt in der Familie.
Die AG KiM fördert seit 2008 die wissenschaftliche, klinische und praktisch Arbeit auf dem Gebiet der Erkennung und Verhinderung von Gewalt und Vernachlässigung an Kindern und Jugendlichen. Ein Anliegen des Verbunds ist es, dass Mediziner enger mit Jugendeinrichtungen und bestehenden Hilfesystem vor Ort zusammenarbeiten.