Im Volkspark kommt während der Deutschland-Spiele dank der Massen richtig Stimmung auf. (FOTO: LENA KUNZ)
Donnerstagabend im Volkspark, die deutsche Nationalhymne erklingt über die Lautsprecher der Leinwand. Etwa 1 000 Menschen stimmen ein. Sie singen mit Philipp Lahm und Co. - Gänsehautstimmung. So wird es wieder laufen beim Spiel der deutschen Nationalelf gegen Angstgegner Italien. Es ist das fünfte Mal während der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine - quasi ein Ritual im Volkspark, dem für Fußballfans derzeit beliebtesten Anlaufpunkt unweit des Saaleufers. Dort können die Fans auf einer riesigen Leinwand und teilweise überdacht das Halbfinale schauen.
Markus Deckert wird in diesen Minuten womöglich nicht mit einstimmen. Er wird das erste Mal etwas durchschnaufen. Luftholen von den letzten beiden Tagen, die er gemeinsam mit seinem etwa 35-köpfigen Team zur Vorbereitung der nächsten 90 Minuten gebraucht hat. Der Volkspark-Inhaber ist sich aber sicher: "Wir werden den erwarteten Ansturm bestens meistern."
Dutzende Fässer Bier, unzählige Flaschen Wein, zig Kästen Cola, dazu zentnerweise Pommes Frites und Grillfleisch - all das hat sein Team in den vergangenen Tagen wieder herangeschafft. Schweißtreibende Arbeit, um die Lager des Volkspark wieder aufzufüllen.
Wichtig sind den Besuchern vor allem, die Erfahrung hat Deckert in den vergangenen Wochen gemacht, Pommes Frites und Bier. "50 Kilogramm Pommes sind an jedem Abend über den Tisch gegangen. Wir hatten zwischenzeitlich sogar ein bisschen Angst, dass das Essen gar nicht reicht."
Mit dem Bier verhielt es sich ähnlich. Die drei Mitarbeiter hinter den Tresen zapften quasi das komplette Spiel über. Die Kellner rannten sich währenddessen die Füße wund, um alle Fans schnell zu bedienen. Allein im Viertelfinale gegen die Griechen sollen etwa 20 Prozent mehr als noch im ersten Vorrundenspiel gegen die Portugiesen geflossen sein. "Mit jedem Tor wird mehr getrunken", hat Deckert beobachtet.
Beide Werte könnten Donnerstag noch einmal übertroffen werden, jetzt, wo die halleschen Fußballfans von der Euphoriewelle getragen werden, die die deutschen Fußballer mit ihren Auftritten erzeugt haben. Deckert erwartet deshalb einen noch größeren Andrang auf Halles größte private Public-Viewing-Veranstaltung. 800 bis 900 Menschen waren es am Anfang des Turniers, die Grenze von 1 000 wird gegen Italien mit Sicherheit überschritten wird. Der Chef rät: "Frühes Erscheinen sichert die besten Plätze." Die, die es erst nach der Nationalhymne schaffen, müssen eventuell ganz draußen bleiben. Der Sicherheitsdienst kontrolliert nicht nur die Taschen auf Alkohol oder Feuerwerkskörper, er hat auch bei der Besucherzahl genaue Vorgaben.
Dank der erwarteten Massen wird die Stimmung wieder prächtig sein. Menschen werden sich in den Armen liegen. So war es bislang, "moderat" sagt der Volkspark-Inhaber dazu. Fehltritte einiger Besucher, etwa weil sie zu viel Alkohol getrunken hatten, blieben die absolute Ausnahme. Beim Thema Sicherheit hat Deckert deshalb keine Bedenken.
Im Gegenteil: Mit der Anzahl der Menschen stieg auch die Kreativität. "Viele trugen Schwarz-Rot-Gold am ganzen Körper", so Deckert. Dazu die unzähligen Fahnen, die geschwenkt wurden, nachdem die Tore geschossen worden. Vereinzelt soll auch es sogar Fans gegeben haben, die mit ihren Vuvuzelas für Stimmung sorgten. Erinnerungen an die WM 2010 in Südafrika wurden da wieder wach.