Halle: Gemischtware Kunst

08.06.2012 21:19 Uhr | Aktualisiert 08.06.2012 22:55 Uhr
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Christine Rammelt-Hadelich

Plastische Mischtechnik von Christine Rammelt-Hadelich. (FOTO: MZ)

Von Detlef färber
Unter dem Titel "Collage, Assemblage 1992-2012" präsentieren Vereinsmitglieder und Freunde ihre Werke im Künstlerhaus 188.
Halle (Saale)/MZ. 

Die Gebrauchsanweisung zum Thema steht quasi mit auf der Einladungskarte: Man nehme Klebstoff und Unterlage, Papierabschnitte, Fotos und sonstige Gegenstände und füge sie zu einem neuen Ganzen zusammen. Auch malerische, zeichnerische und koloristische Zugaben seien erlaubt - desgleichen Schriftsatz. Willkommen in der Welt der Collage! Der Hallesche Kunstverein hat - neben seiner stets in der Jahreswende terminierten Mitglieder-Schau - gerade eine weitere Gelegenheit gefunden, dem breiten Spektrum seiner Mitglieder (Künstler und Kunstfreunde) und etlichen dem Verein verbundenen Kreativen eine Öffentlichkeit für ihr jeweiliges Schaffen zu verschaffen. "Collage, Assemblage" aus 20 Jahren ist das Motto - ohne thematische Eingrenzung.

Dabei lässt sich auch mancher Kniff bestaunen, wie aus einem offenbar ganz normalen Gemälde im Handumdrehen eine Art Mischtechnik wird. So bei Bruno S. Ottos ungewöhnlichem Durchblick Richtung Markt. Zwei Stückchen "echte Sohle" für die Hackenschuhe der Dame mit den aufregenden Beinen reichen dafür aus. Auch die einzige Plastik in der Schau ist erst auf den dritten Blick mehr als das: eine Art beschrifteter Papierumhang wird zur Eintrittskarte ins Collagen- und Assemblagenkabinett.

Freilich kann man in der Schau auch einiges von dem sehen, was diese Art von Kunst und ihren Reiz wirklich ausmacht: Virtuoses Spiel und Synthesen von sonst kaum zu vereinbarenden Materialien - tolle sogenannte Papierarbeiten, die, in dem, was sie zeigen, gar nicht collageartig sondern sogar äußerst homogen wirken.

Manches in der Schau wirkt freilich auch eher spaßig. Dieter Gilfert etwa verlagert seine kleinen Figuren auf großem Gemälde-Grund einfach mal ins Vorfeld. Oder sein ihm im satirischen Strich artverwandter Kollege Bernhard Michel übt sich in kleinen, aber doch sehr sehenswerten Rauminstallationen. Nicht allen freilich kann man zu weiteren Ausflügen in wenig erprobte Techniken raten. So dem wunderbaren Maler Günter Giseke nicht, der hier eine große Materialcollage namens "Achtundsechziger" zeigt - nicht ganz ernstgemeint, hoffentlich. Zu fragen bleibt auch, ob über die Vereinsausstellung hinaus die Profis und prominenten Zugpferde öfter in Ausstellungen mit einer solchen Breite mitwirken sollten. Und, ob sie sich und den anderen Teilnehmern, die hier die beachtlichen Ergebnisse ihres langjährigen kreativen Enthusiasmus' präsentieren, damit einen Gefallen tun. Doch wie auch immer: Etwas Sehenswertes bietet auch diese Schau im Künstlerhaus wohl für jeden.

Die Ausstellung ist bis 24. Juni (Finissage ab 15 Uhr) im Böllberger Weg 188 zu sehen. Geöffnet ist täglich in der Zeit zwischen 10 und 18 Uhr.