Halle: Grundstein für neuen Uni-Campus gelegt

18.07.2012 16:31 Uhr | Aktualisiert 18.07.2012 22:34 Uhr
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Steintor-Campus

Auf diesem Gelände hinter dem halleschen Steintor entsteht für über 50 Millionen Euro ein neuer Campus. (FOTO: THOMAS MEINICKE)

Von Michael Falgowski
Die Martin-Luther-Universität in Halle soll von 2014 an einen neuen Campus haben. Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) legte am Mittwoch den Grundstein dafür.
Halle (Saale)/mz. 

Um 4 Uhr am Morgen wird es beginnen: 230 Lkw-Fuhren liefern 1 700 Kubikmeter Beton in die Emil-Abderhalden-Straße. Am Sonnabend wird die Bodenplatte der Zentralen Bibliothek des Steintor-Campus gegossen. In nur 15 Stunden, alle acht Minuten rollt ein neuer Betonmischer an - eine vor allem logistische Herausforderung.

Reichlich Beton also fließt ins künftige Geistes- und Sozialwissenschaftliche Zentrum der Universität, den Steintor-Campus. Und es kommt noch mehr Beton: Denn gut 52 Millionen Euro werden auf dem Gelände der ehemaligen landwirtschaftlichen Fakultät der Uni verbaut. Das ist die größte Investition des Landes im Hochschulbereich seit vielen Jahren.

Zehn Jahre Vorbereitung

Am Mittwoch wurde an der Emil-Abderhalden-Straße zunächst feierlich der Grundstein in Beton gegossen. „Der Steintor-Campus wird der Kern der geisteswissenschaftlichen Institute der Uni in Halle sein. Er wird die Wissenschaftslandschaft Sachsen-Anhalts prägen“, wählte Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) große Worte.

Bis Ende 2014 muss der neue Campus fertig sein, sonst verfallen Fördermittel. Und das könnte knapp werden. Mehr als ein Jahrzehnt haben allein die Vorbereitungen und Planungen gedauert, Diskussionen inbegriffen. Auch die Stadt hat mitgemischt. „Wir hatten einen Standort in der Innenstadt, an der Spitze, favorisiert“, sagte Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD). „Aber wenn die Uni selbst und das Land eine Stelle favorisieren ... Da sind wir pragmatisch.“

Szabados versenkte am Mittwoch in der Grundstein-Kartusche übrigens „Halloren-Salz“ sowie als Zeitdokument die Satzung des städtischen Haushaltes 2012, versehen mit einem Postscriptum: „Vorbehaltlich des Beschlusses durch den Stadtrat am Mittwochnachmittag“. Der kommunale Etat hat mit dem Steintor-Campus indes nichts zu tun. Die geplanten Kosten in Höhe von 52 Millionen Euro zahlen EU (75 Prozent) und Land.

Gestritten wurde aber natürlich auch ums Geld. So bemängeln Kritiker, dass die 15,9 Millionen Euro teure, sechsstöckige Bibliothek aus Kostengründen zu klein konzipiert sei, um die rund 1,2 Millionen Bände der sieben Institutsbibliotheken aufzunehmen.

Ein anderes Streitthema waren die denkmalgeschützten, meist 1878 gebauten Häuser auf dem Fakultätsgelände. Sie boten, so die Planer, nicht genug Platz und mehrere Gebäude sind bereits abgerissen. Einige Häuser in der Emil-Abderhalden-Straße sowie in der Adam-Kuckhoff-Straße bleiben stehen und werden bereits saniert. Dort sollen später die Institute für Altertumswissenschaften, Kunstgeschichte und Archäologie sowie für Anglistik, Slawistik und Sprechwissenschaften einziehen.

Ebenfalls auf der Sanierungsliste steht das markante Gebäude in der Ludwig-Wucherer-Straße 2. Dort sollen die Institute für Orientalistik, Romanistik, Germanistik und das Dekanat einziehen. Der Grundstein samt seiner üblichen Zutaten wie Münzen, Zeitungen, Bauplänen und Urkunden wurde am Mittwoch aber im Fundament des neuen Institutsgebäudes versenkt, das entlang der Emil-Abderhalden-Straße gebaut wird. Der Neubau wird Domizil unter anderem von Politikwissenschaft, Japanologie, Psychologie, Philosophie, Ethnologie und Soziologie.

Lebendiger Campus

Uni-Rektor Udo Sträter freute sich am Mittwoch auf einen weiteren lebendigen Campus. Der sei als geistes- und sozialwissenschaftliches Äquivalent zum Weinberg-Campus gedacht. Auch in der Qualität. „Es kann nicht sein, dass die Naturwissenschaften ein Protein-Zentrum für 38 Millionen Euro und die Geisteswissenschaften renovierte Kuhställe bekommen.“