Jan Heise steht kurz vor seiner zweiten Firmengründung. (FOTO: THOMAS MEINICKE)
Jan Heise könnte die Welt verändern. Der Molekularbiologe aus Halle trägt dazu bei, dass Menschen mit Erdnuss-Allergien irgendwann Erdnüsse essen können oder dass Krebstherapien noch besser auf den Patienten abgestimmt werden. Um das zu ermöglichen, jagt Heise nach Proteinen im Körper. Genau genommen nach den Eiweißen, die entweder für die allergische Reaktion auf die Erdnüsse verantwortlich sind oder die medizinische Therapien erst ermöglichen. Dafür macht Heise mit speziellen fluoreszierenden Farbstoffen diese als Biomarker funktionierenden Proteine sichtbar.
Der Absolvent der Uni Halle beliefert mit seinem noch jungen Unternehmen "NH DyeAgnostics" Forschergruppen, die ohne seine speziellen Farbstoffe nicht an den entdeckten Proteinen forschen könnten. Zu seinen Abnehmern gehören renommierte Einrichtungen wie etwa das Bundesforschungs-Institut und das Pasteur-Institut in Frankreich. Seine fluoreszierenden Farbstoffe werden heute in insgesamt 17 Ländern genutzt. Neben dem siebenköpfigen Unternehmen, das im Technologie- und Gründerzentrum am Weinbergweg in Halle arbeitet, gibt es mit dem Konzern "General Electrics" weltweit nur einen Konkurrenten, der ähnliche Flüssigkeiten herstellt. "Wir arbeiten allerdings flexibler und günstiger", gibt sich Heise selbstbewusst.
Seine Haltung kommt nicht von ungefähr, denn für seine Geschäftsidee und seine Arbeit hat Heise bereits einige Preise abgeräumt. Seine Firma ist seit der Gründung 2009 auf sieben Mitarbeiter angewachsen. Bereits im nächsten Jahr will Heise schwarze Zahlen schreiben. Am Mittwoch könnte er für seine jüngste Idee - denn "PIGchip", ein Biochip für Schweine, einen weiteren Preis bekommen: den ego.-Business-Award des Landes-Wirtschaftsministeriums. Der wird seit 2006 in Magdeburg vergeben und ist mit 5 000 Euro dotiert.
Heise war in seiner Zeit als Geschäftsführer der "NH DyeAgnostics" nicht nur Unternehmer, der gebürtige Flensburger war auch wissenschaftlich weiter umtriebig. Herausgekommen ist ein Chip, der die Fleischqualität von Ebern auf Schlachthöfen überprüfen kann. Sein Ziel ist, in Zukunft die Kastration der Ferkel überflüssig zu machen. Bislang wird den männlichen Tieren nach der Geburt nämlich der Hoden abgeschnitten - ohne jegliche Betäubung. Grund ist, dass die Tiere während ihrer Geschlechtsreife Hormone produzieren, die, in einigen Fällen das Fleisch ungenießbar machen. Diese schmerzhafte Prozedur erleben jährlich etwa 110 000 Millionen männliche Schweine in Europa. "Mit dem Chip müssten die Tiere nicht unnötig leiden", sagt Heise. Die wenigen Tiere - auch "Stinker" genannt - könnten identifiziert und selektiert werden. Heise liefert dazu den entsprechenden Bluttest.
Die Perspektive für seine Idee scheint gut zu sein. Denn die europäischen Landwirte haben sich verpflichtet, bis 2018 die Kastration abzuschaffen, ohne aber auf Alternativen zurückgreifen zu können. Eine Impfung gegen die Fruchtbarkeit der Schweine existiert zwar bereits, die lehnen die Lebensmittelhändler jedoch strikt ab, weil sie befürchten, dass ihr "gespritztes" Fleisch nicht mehr gekauft wird.
Unabhängig von einer möglichen Auszeichnung Mittwoch, will Heise im nächsten Jahr eine neue Firma gründen, die diesen Chip für Schweine produziert. "Wenn das klappt, gibt es 50 neue Arbeitsplätze in Halle", verspricht er schon einmal.