Halle: Kein Aufschrei fürs Thalia

Uhr | Aktualisiert 22.02.2012 22:14 Uhr
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Thalia, Du bleibst!

Du bleibst steht am 21.10.2010 an einem Fenster des Thalia Theaters in Halle (Saale). (FOTO: ARCHIV/DPA)

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Anders als im Vorjahr erhebt sich diesmal kaum eine Stimme für den Erhalt des Hauses. Das Ensemble selbst vertraut noch auf alte Zusagen.
Halle (Saale)/MZ. 

Zehn Tage, drei Premieren! - Das hallesche Theater, das gerade mal wieder ins Zentrum einer Spar- und Abschaffungsdebatte geraten ist, scheint seinerseits zu strotzen vor Kraft, Ideen, Tatendrang und Spiellaune. Die neuen Stücke handeln von Abschied, Selbstverständnis und dem Sinn des Lebens. Pädagogisches, Psychologisches und Philosophisches - kommt zur Sprache und richtet sich thematisch wie in der Darbietung an alle Altersgruppen - wenn auch nicht jedes gleichzeitig.

Sinnfragen und die Themen Selbstverständnis und möglicher Abschied beschäftigen das kleine Team um Intendantin Annegret Hahn nun schon lange auch ganz direkt. Denn seit Jahren taucht das Thalia immer wieder auf Streichlisten und in Sparkonzepten auf. Und als vor einem Jahr das Aus für das Haus schon mal ganz nahe war, da ging ein Aufschrei der Empörung durch die Stadt. Viele Hallenser, Künstlerkollegen und auch Politiker engagierten sich für eine zumindest mittelfristige Rettung des Theaters, die dann auch kurzfristig geglückt ist. Geglückt zu sein schien! - so muss man es jetzt wohl sagen.

Doch als vergangene Woche ein weiterer, sehr konkreter Plan der Stadtverwaltung laut wurde, das Theater möglichst schon in diesem Sommer zu schließen, blieb der Aufschrei zu seinen Gunsten aus. Zwar plädierte zum Beispiel die Hälfte der Oberbürgermeisterkandidaten am Mittwoch in der MZ für das Weiterbestehen des Hauses - aber erst auf Nachfrage. Von den zahllosen spontanen Solidaritätsadressen, wie es sie im Vorjahr gab, ist dagegen fast nichts geblieben.

Warum nicht? Hat sich Halle im Stillen schon mit einer Zukunft ohne das Thalia abgefunden? Und haben die Thalia-Leute ihrerseits vielleicht schon resigniert? - Wer im Ensemble anfragt, erfährt das Gegenteil. "Die Pläne sind heiße Luft", sagt einer der Schauspieler, der namentlich nicht genannt sein möchte. Die Truppe betrachte das mal wieder "als so eine Welle" - und vertraue ganz auf die klaren Zusagen aus dem Vorjahr nach der "Thalia-Rettung" - die mit Haustarifverträgen und finanziellen Einbußen erkauft waren.

Andererseits scheint die Situation für die Betroffenen beim aktuellen Anlauf zur Theaterschließung weniger dramatisch als zuletzt. Rolf Stiska - der Chef der Theater GmbH, zu der das Thalia gehört - hat in den letzten Tagen Möglichkeiten für den Fall der Schließung angedeutet, die sowohl dem Ensemble wie auch dem technischen Personal eine Perspektive geben. Konkret sieht das so aus, dass die 15 fest engagierten Schauspieler dann ins Ensemble des Neuen Theaters wechseln könnten. Oder sollte man sagen, dürften?

Weil die jüngeren Schauspieler meist nur Jahresverträge bekommen, die jährlich im Herbst verlängert werden, kann die Mehrzahl der Truppe dann bis Sommer 2013 im NT bleiben. Weit besser dürfte die Sache für drei langgediente Schauspieler aussehen, die mit mehr als 15 Jahren Zugehörigkeit unkündbar sind.

Oder ist es etwa Unzufriedenheit in der Stadt mit dem Thalia-Spielplan, die das Theater erneut in den Bannkreis des Rotstifts rückt? Stiska meinte kürzlich in einem MZ-Interview, es werde zu wenig Kinder- und Jugendtheater gemacht in Halles Kinder- und Jugendtheater. Besagte drei Premieren in zehn Tagen werden seinen Eindruck kaum korrigieren.

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