Besucher in einer Röhre des City-Tunnels in Leipzig. (ARCHIVFOTO: DPA)
Die Freude bei vielen Bahnkunden war groß, als es das Unternehmen im September 2010 verkündete: Mit der Inbetriebnahme des neuen S-Bahn-Netzes im Raum Halle-Leipzig ab Dezember 2013 sollen Fahrkarten, anders als derzeit, auch wieder im Zug verkauft werden. Die Länder Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die das Netz ausgeschrieben hatten, wollten es so.
Doch gut eineinhalb Jahre vor dem Start folgt der Freude die Ernüchterung: Die Bahn räumt zwar ein, die Ausschreibung verlange, den Verkauf im Zug auszuweiten. "Aber wir werden mit den Ländern noch einmal reden müssen, was das genau heißt", sagt Linda Kisabaka, Marketingleiterin bei DB Regio Südost. Die Bahn fürchtet, bei einer völligen Freigabe des Ticketverkaufs in den S-Bahnen werde die Zahl der Schwarzfahrer zunehmen. Viele würden es demnach ausnutzen, dass die Zugbegleiter mit dem Verkaufen nicht nachkämen, vor allem auf kurzen Streckenabschnitten. Etwa im Leipziger City-Tunnel, dem Kernstück des neuen S-Bahn-Netzes. Das will das Unternehmen vermeiden.
Mit solchen Überlegungen dürfte die Bahn auf den Widerstand der Länder stoßen. "Die Bahn ist für die Bürger da", sagt Klaus Rüdiger Malter, Geschäftsführer der Landesnahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt. Trotz einzelner Missbrauchsfälle könne man nicht pauschal unterstellen, dass Fahrgäste darauf spekulierten, ohne Ticket zu fahren. Für Malter ist klar: "Der Vertrag mit der Bahn gilt und wird umgesetzt." Soll heißen: Fahrkarten müsse es wieder im Zug geben. Seit 2008 ist das nur noch in Ausnahmefällen möglich, wenn etwa der Automat am Bahnsteig streikt. Wer aus anderen Gründen ohne Ticket zusteigt, ist auf die Kulanz der Zugbegleiter angewiesen. Dabei könne es nicht bleiben, sagt Malter.
Die Ticket-Frage ist nicht die einzige Baustelle im künftigen S-Bahn-Netz. Bei den neuen Zügen vom Typ Talent 2, von denen 51 bestellt sind, gibt es Verzögerungen. Über Jahre hat das Eisenbahnbundesamt wegen technischer Probleme die Betriebsgenehmigung verweigert. Bisher sind laut Bahn nur einige Züge dieses Typs für das Nürnberger S-Bahn-Netz zugelassen. "Wir setzen darauf, dass die Züge pünktlich kommen", sagt ein Bahnsprecher dazu nur. Alle andere wäre fatal: Nur der Talent 2 hat die Brandschutzausrüstung, die für einen Betrieb im City-Tunnel vorgeschrieben ist.