Halle: Lust auf Oberbürgermeister-Wahl wächst

22.06.2012 18:01 Uhr | Aktualisiert 23.06.2012 11:33 Uhr
Drucken per Mail
MZ-Wahlforum

MZ-Wahlforum im Audimax der Universität Halle mit den OB-Kandidaten Bernhard Bönisch (CDU), Kay Senius (SPD), Swen Knöchel (Die Linke) und Bernd Wiegand (parteilos) (v.l.). (FOTO: WINKLER)

Von MICHAEL TEMPEL
Halle sucht neue Stadtspitze. Eine Woche vor dem Urnengang wächst der Interesse der Bewohner. Sie beschäftigen vor allem Verkehrsprobleme.
Halle (Saale)/MZ. 

Halles künftiger Oberbürgermeister sollte der Verkehrsplanung oberste Priorität einräumen: Denn 60 Prozent der Hallenser sind der Meinung, dass dies das wichtigste Themenfeld bei der Stadtentwicklung ist. Das hat eine repräsentative Umfrage von infratest dimap ergeben. Das renommierte Meinungsforschungsinstitut hat die Erhebung anlässlich der am 1. Juli stattfindenden OB-Wahl im Auftrag der Mitteldeutschen Zeitung und von MDR Sachsen-Anhalt durchgeführt.

Zwtl:Votum für Autobahnbau

Bei den einzelnen Verkehrsproblemen räumen die Hallenser laut Umfrage insbesondere der Komplettierung des Autobahnrings aus A 38 und A 143 mit 15 Prozent die höchste Priorität ein. Die Bereiche Straßensanierung (13 Prozent), Rad- und Gehwege (11) und Straßenbau (10) folgen. Zum Vergleich: Dem Stadtentwicklungs-Bereich Bausanierung/Innenstadt räumten 17 Prozent der Befragten höchste Bedeutung ein. Bei Kultur/Bildung/Freizeit waren es 14 Prozent.

An der Umfrage hatten sich im Laufe der vergangenen Woche 753 Hallenser beteiligt. Wie sich herausstellte, liegt der CDU-Kandidat Bernhard Bönisch wie bereits bei der ersten Erhebung Ende Mai mit erneuten 36 Prozent in der Wählergunst weit vorn (siehe Grafiken). Verfolger Kay Senius (SPD) hat in den vergangenen Tagen offensichtlich viel Wahlkampfarbeit geleistet: Nicht nur, dass er sich mit 18 Prozent der Wählergunst auf Rang zwei verbessern konnte. Auch in der Bekanntheit bei den Bürgern hat er mit 65 Prozent einen beachtlichen Sprung nach vorn gemacht - wenngleich auch Bönisch zulegen und seine Spitzenposition bei der Bekanntheit verteidigen konnte.

Hoffnungsfroh stimmt folgendes Umfrageergebnis: Insgesamt 48 Prozent der Befragten gaben an, sich sehr stark beziehungsweise stark für die Oberbürgermeister-Wahl zu interessieren. Ende Mai waren dies nur 39 Prozent. Ist das ein Fingerzeig auf die Wahlbeteiligung am 1. Juli? Zu wünschen wäre es, denn im ersten Wahlgang der letzten OB-Wahl im Jahr 2006 waren nur 32,4 Prozent der Wähler an die Urnen getreten. Bei der späteren Stichwahl, bei der Amtsinhaberin Dagmar Szabados (SPD) als Siegerin gegen Bönisch hervorgegangen war, hatten sogar nur 27,4 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. Szabados geht Ende des Jahres in den Ruhestand.

Von Bürgern, Unternehmern und Politikern wird gemeinhin auch der Wirtschaft in Halle ein großer Stellenwert eingeräumt. Der aktuellen Umfrage zufolge bewerten 64 Prozent der Hallenser die wirtschaftliche Lage in der Stadt als weniger gut oder sogar als schlecht. Nur 30 Prozent beurteilen sie als gut und keiner der Befragten mit sehr gut. Interessant dabei ist indes, dass die wirtschaftliche Lage von Neu-Hallensern offenbar noch am positivsten eingeschätzt wird: 65 Prozent jener Umfrageteilnehmer, die erst nach dem März 2011 in die Stadt gezogen sind, bewerten Halles Wirtschaft als gut, 35 Prozent von ihnen mit "weniger gut". Wie viele Zugezogene konkret an der Umfrage teilgenommen haben, teilte infratest dimap allerdings nicht mit.

Zwtl:Viele Briefwähler

Unterdessen hat die Stadtverwaltung bekannt gegeben, dass bereits mehr als 10 000 Hallenser ihre Briefwahl-Unterlagen beantragt haben - etwa 2 000 von ihnen via Internet. Das seien doppelt so viele wie zur selben Zeit vor der OB-Wahl 2006. Und mehr als 1 800 Hallenser hätten per Briefwahl bereits ihre Stimmen abgegeben. Die Briefwahlbüros befinden sich in den Bürgerservicestellen im Ratshof (Marktplatz 1) sowie Am Stadion 6 in der Neustadt. "Die Briefwahl ist bis zum Freitag vor der Wahl möglich", heißt es in einer Pressemitteilung des Rathauses.