Merkel hatte die Stiftung in einer Videobotschaft gewürdigt. (FOTO: DPA)
Eigentlich sollte Angela Merkel am Freitagabend in der Oper die Festrede halten. Am Mittwoch hat die Bundeskanzlerin aber abgesagt - sie fährt zur Fußball-EM und nicht zur Geburtstagsparty der Kulturstiftung des Bundes. Vor zehn Jahren wurde diese Stiftung gegründet und ihr Sitz nach Halle gelegt - und nicht nach Berlin. Damit setzte der Bund ein Signal für den Föderalismus in der Kultur. Am Freitagabend wird im Lindenhof der Franckeschen Stiftungen das Jubiläum gefeiert.
Im Bewusstsein vieler Hallenser ist die Bundeskulturstiftung indes auch nach zehn Jahren noch nicht angekommen. Wenn sie außer bei den Akteuren des Kulturbetriebes öffentlich in der Stadt kaum in Erscheinung tritt, dann liegt das unter anderem daran, dass sie bislang nur provisorisch an drei Stellen auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen untergebracht ist. Derzeit entsteht aber endlich ein eigener Hauptsitz am Franckeplatz. Die neue Verwaltung sollte zum Jubiläum eigentlich längst bezogen sein. Doch das klappt wohl erst im Oktober. Die Stiftung erhält mit dem Hauptsitz erstmals aber ein physisches Gesicht in der Stadt.
Der Zweck der Bundeskulturstiftung ist die Förderung von zeitgenössischer Kunst und Kultur im Rahmen der Zuständigkeit des Bundes. Über 2 000 Projekte wurden in den vergangen zehn Jahren gefördert, rund 250 Millionen Euro seither ausgegeben. Die Mindestantragssumme in der Allgemeinen Projektförderung beträgt 50 000 Euro, eigene Programme wurden zudem über eine Laufzeit von mehreren Jahren mit bis zu zwölf Millionen finanziert. Alle Projekte sind international ausgerichtet, haben aber in erster Linie eine Sichtbarkeit in Deutschland. Die Stiftung ist eine der größten Kulturfördereinrichtungen in Europa mit einem Etat von 35 Millionen Euro.
Halle profitiert vom Stiftungssitz neben einem bedeutenden bundesweiten Renommee beispielsweise durch rund 40 Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter kommen vorwiegend aus Halle. Der Neubau am Franckeplatz ist zudem eine Investition, von der auch einheimische Unternehmen wenigstens vorübergehend profitieren. Außerdem trägt er zur städtebaulichen Gestaltung bei - das Gebäude schließt immerhin eine Baulücke im historischen Ensemble der Franckeschen Stiftungen, die ein Bombentreffer im 2. Weltkrieg gerissen hatte.
Der kulturelle Beitrag am Stadtgeschehen in Halle ist dagegen eher gering. So gab es einige Projekte in Halle zum 1200-jährigen Jubiläum der Stadt. Auch der hallesche Puppentheater-Austausch mit Frankreich wurde beispielsweise unterstützt. Mit dem Neubau entsteht nun aber erstmals ein Ort, an dem auch eigene, kleinere Veranstaltungen möglich sein werden. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.
Aus Anlass des Jubiläums ist das am Freitag anders: Nach dem Festakt in der Oper beginnt um 20.30 Uhr eine Geburtstagsparty im Lindenhof der Franckeschen Stiftungen, unter anderem mit einem Live-Konzert der Bras-Band Moop Mama und einem DJ. Der Eintritt in den Lindenhof ist frei.