Charlotte Schuchardt heißt ist die oberste Repräsentantin des Planspiel-Staates «Metropoligs» an der Integrierten Gesamtschule. (FOTO: THOMAS MEINICKE)
Sie ist jung, hübsch und schlau. Und die vermutlich jüngste Staatspräsidentin der Welt. Die 18-jährige Charlotte Schuchardt ist von ihren Mitschülern an der Integrierten Gesamtschule Halle (IGS) zum Staatsoberhaupt gewählt worden - für ein Planspiel, in dem sich die gesamte Schule mit ihren 900 Schülern vom 9. bis 13. Juli einen eigenen Staat "Metropoligs" verwandelt. Mit Parlament, Staatspresse, Wirtschaftsbetrieben, Kinos, Polizei und eigenen Gesetzen.
Und sogar Staatsbesuch hat die junge Präsidentin schon empfangen: "Hände schütteln mit Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados und Kultusminister Stephan Dorgerloh war sehr schön", sagt Charlotte Schuchardt schmunzelnd - weil die hintergründige Frage an sie war, wie es denn ist, offiziell rangniedrigere Politiker zu begrüßen. Bei ihrem Besuch, bei dem Szabados und Dorgerloh das Konzept des Planspiels erläutert wurde, ernannte die Staatspräsidentin die beiden gleich zu Ehrenbürgern des neuen Staates.
Doch auch andere gestandene Politiker haben der Repräsentantin von "Metropoligs" schon Tipps gegeben. So der Landtagsabgeordnete und OB-Kandidat Bernhard Bönisch (CDU) und der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Felke, der die IGS kürzlich besuchte: "Er hat uns Tipps gegeben, wie wir unsere Koalition halten können." Denn "Metropoligs" steht politisch auf wackligen Beinen. Die regierende Koalition aus "Grüner Ampel", "Grüner Linke" und der "Schülerorientierten Partei" hat nur einen Sitz mehr als die Oppositionsparteien. Ein Kuriosum am Rande: Obwohl die von Staatspräsidentin Schuchardt gegründete Partei "Beteilige dich" mit 24 Prozent Wahlsieger war, gelang es ihr nicht, eine Regierungskoalition zu bilden.
Als Staatsrepräsentantin hat sich die Schülerin der zwölften Klasse freilich aus den parteipolitischen Machtkämpfen zurückgezogen: "Ich bin als Staatsoberhaupt unabhängig. Ich will, dass die anderen mir vertrauen." Und das scheint zu klappen: Weder das Staatsradio noch das Staatsfernsehen haben bislang irgendwelche Skandale über sie aufdecken können. Worüber die 18-Jährige sehr froh ist, denn so könne sie sich voll und ganz auf ihren Job konzentrieren. Denn "Metropoligs" ist ein Projekt, das Charlotte Schuchardt sehr am Herzen liegt, weil hier viele Dinge ganz praktisch angewandt und gelernt werden können - und Demokratie live erlebt werden kann. So gab es zum Beispiel beim Verfassen des Strafgesetzbuchs Diskussionen, ob Straftäter mit einem blauen Bändchen am Arm gekennzeichnet werden sollten. "Wir kamen zu dem Ergebnis, dass das nicht notwendig ist, weil es an der Schule nur nette Menschen gibt", erzählt die Präsidentin.
Nur eine Frage kann sie noch nicht beantworten: Ob sie für sich ein echtes politisches Engagement nach "Metropoligs" vorstellen kann. Denn erst einmal will sich Charlotte Schuchhardt dann auf ihr Abitur konzentrieren.