Das Klubhaus der „Underdogs“ in Halle Ammendorf. (FOTO: JAN MÖBIUS)
Ein 26 Jahre alter Mann war in der Nacht zum Donnerstag in seinem Auto mit zwei gezielten Schüssen niedergestreckt worden. Er konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Bei dem Opfer soll es sich nach MZ-Informationen um den Chef der halleschen Rockerbande Underdogs MC handeln. Bereits im Lauf des Donnerstages wurde ein Tatverdächtiger festgenommen. Seit Freitag sitzt der 39-Jährige in Untersuchungshaft.
Staatsanwalt Klaus Wiechmann sprach von einem gezielten Angriff. "Wir gehen nach unseren ersten Erkenntnissen davon aus, dass der Verdächtige das 26-jährige Opfer in der südlichen Innenstadt von Halle abgepasst hat, um dann die beiden Schüsse auf den Mann abzugeben", sagte der Ermittler. Ob der Angriff während der Fahrt geschah oder aber das Fahrzeug des lebensgefährlich verletzten Hallensers zuvor gestoppt worden war, konnte Wiechmann noch nicht sagen. "Das Opfer konnte bisher nicht vernommen werden. Der Mann wird wegen der Schwere seiner Verletzungen auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt", sagte der Staatsanwalt. Dorthin hatte sich der 26-Jährige den Angaben zufolge nach dem Mordanschlag noch mit seinem Pkw retten können.
Wiechmann wollte sich am Freitag nicht festlegen, ob der Verdächtige ebenfalls Kontakte zur Rockerszene hat. Nach Informationen der MZ soll es sich bei dem Mann aber um ein Mitglied der Berliner Bandidos handeln. Der 26-Jährige wird zugleich als designierter Chef eines halleschen Ablegers der vor einer Woche in Aachen durch das Innenministerium Nordrhein-Westfalen verbotenen Rocker-Vereinigung gehandelt. Bandidos und Underdogs, die wiederum den Hells Angels nahe stehen, gelten als verfeindet.
Wiechmann zufolge müsse neben den Zusammenhängen mit der Rockerszene auch eine Verbindung zu einer Kampfsportveranstaltung überprüft werden, die heute in der halleschen Eissporthalle stattfindet. Das Opfer des Mordanschlags sollte bei der sogenannten "La Familia Fightnight" als Sportler antreten. Dass ein Zusammenhang mit dieser Veranstaltung und den nächtlichen Schüssen besteht, gilt als wahrscheinlich. Denn bereits in der Nacht zum Donnerstag wurde von bislang Unbekannten versucht, am Haupt- und Hintereingang der Eissporthalle Feuer zu legen.
Klären müssen die Ermittler auch, ob es eine Verbindung zu einer Schießerei zwischen Rockern gibt, die sich in Halle im Oktober 2010 abgespielt hat.