Den Brunnen zu Ehren Zither-Reinholds kennt in Halle jeder. Sein Schöpfer, Professor Wolfgang Dreysse, feiert demnächst seinen 65.Geburtstag. (FOTO: MEINICKE)
Ihn kennt jeder: den Brunnen, der dem halleschen Original Reinhold Lohse gewidmet ist. Platziert an prominenter Stelle mitten im Fußgängerfluss der Leipziger Straße, ist der Zither-Reinhold bei weitem nicht das einzige Kunstwerk des Bildhauers Wolfgang Dreysse im öffentlichen Raum, wohl aber das mit einer interessanten Geschichte. Einer Geschichte, die den jetzt aus Anlass seines 65. Geburtstages mit einer Ausstellung in den Ruhestand gehenden Professor für Design an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bewegt hat. Und bis heute bewegt.
"Damals wurde in einem Bürgerforum über meinen Entwurf diskutiert", erinnert sich Dreysse. Und wie! Im Publikum viele aufgebrachte Ältere, die Zither-Reinhold noch persönlich kannten. "Die wollten ihr Idol so haben, wie sie ihn erlebt hatten - und nicht, wie ich ihn aus meiner künstlerischen Sicht sah", so der Bildhauer. Nach heftiger Debatte mit denen, für die das Kunstwerk gedacht war, lauschte der Künstler Dreysse in sich hinein. "Nach einigen Waldspaziergängen und vielen Gedanken glaubte ich verstanden zu haben, was die Leute wollten", sagt der Professor. Dass er den Nerv der Menschen getroffen hat, beweisen nun die "Liebkosungen" der Hallenser.
"Einige treffen sich jedes Jahr Silvester hier und streichen dem Kleinen über den Kopf - das soll Glück bringen", freut sich Dreysse, dem das Wort "Kunst" viel zu "bedeutungsunscharf" ist. In seiner Arbeit als Bildhauer wie als Hochschullehrer hat Dreysse stets gegen die Abgrenzung zwischen "nutzfreier" Kunst und dem gebrauchsorientierten Design angekämpft. "Von jeher gelten für die beiden Fachbereiche - Kunst und Design - die bildnerischen Grundlagen als gemeinsame Wurzel", so Dreysse. Seinen Studenten ein gestalterisches Basiswissen zu vermitteln, war und bleibt sein Ziel. "Die Grenzen zwischen Design und Kunst sind fließend, eigentlich gibt es sie nicht", so der Künstler, der auf solides handwerkliches Können, auf die "Schulung einer persönlichen Haltung zum Handwerk" großen Wert legt - ganz im Sinne des Wortes "ars", das übersetzt ganz einfach bedeute, "eine handwerkliche Sache gut zu machen".
Eröffnung am 15. Mai, 18 Uhr, Hochschulbibliothek, Seebener Str. 193