Halles Oberbürgermeister-Wahlkampf kommt nur schleppend auf Touren. Fehlt die Prominenz, um den nötigen Pepp zu bringen? Die Zeiten, in denen ein Bundeskanzler Gerhard Schröder einer Ingrid Häußler im überfüllten Steintor-Varieté einen letzten Schub gab, sind lange vorbei. Haben die Kandidaten die Prominenz nicht nötig oder machen gar Spitzenpolitiker einen Bogen um Halle?
Natürlich könnte es mit der politischen Großwetterlage zusammenhängen. Nach den jüngsten Wahlen zeigt der Trend für CDU und Linke klar nach unten. Umso mehr wollen die Kandidaten das Kommunale in den Vordergrund stellen. "Der Wahlkampf muss Bezug zu Halle haben.", sagt Bernhard Bönisch (CDU). Doch den Einfluss der großen Politik kann auch er nicht leugnen. "Zum Glück identifiziert man die CDU nicht mit Norbert Röttgen, sondern mit Angela Merkel - da stehen wir eigentlich noch gut da." Gefragt hat er sie aber nicht: "Ich werde keine Bundespolitiker einladen."
Linken-Wahlkämpfer Swen Knöchel bekommt im Juni Besuch von Dietmar Bartsch, der dann Parteivorsitzender sein könnte. Am Dienstag ist bereits die gesamte Landtagsfraktion in Halle, natürlich um Aufmerksamkeit im Wahlkampf zu erregen. Doch Knöchel wiegelt ab: "Das sind keine Wahltermine. Wir sollten den Leuten nicht vortäuschen, dass Prominenz entscheidet. Wir setzen auf das Gespräch mit dem Bürger."
Selbst die SPD, derzeit landtagswahlverwöhnt, wird keine Bundespromi-Kraft haben - wenn überhaupt wird Hannelore Kraft höchstens nach Halle in Westfalen fahren. An der Saale will man sie nicht, denn Kay Senius plant nur mit der Landesprominenz. "Ich mache einen sehr sachlichen und kommunalspezifischen Wahlkampf und habe mir die Landesminister Jens Bullerjahn, Norbert Bischoff und Stephan Dorgerloh zu Arbeitsbesuchen eingeladen." Kultstatus haben alle drei nicht. Sigmar Gabriel, den SPD-Bundesvorsitzenden dagegen, dessen Freundin aus Halle stammt und der deswegen öfter hier zu Gast ist, will Senius nicht.
Auch Oliver Paulsen (Grüne) wird wohl weitgehend ohne Spitzenpolitiker auskommen. Die beim Wahlkampfauftakt bereits angekündigte Prominenz - vielleicht Trittin, Roth oder Özdemir - wird wahrscheinlich in Berlin bleiben. "Wir überlegen noch, ob es überhaupt sinnvoll ist, jemanden einzuladen und welche Botschaft das aussendet", sagt Paulsen.
Bernd Wiegand (parteilos) lockt lokale Prominenz in seinen Unterstützerkreis. Schauspieler Reinhard Straube und Ex-Sportler Andreas Wels sind schon im Boot und sollen mitrudern. Pirat Christian Kunze hält von Prominenz nicht viel. "Das ist Schwachsinn. Die aus Berlin kennen sich in Halle gar nicht aus." Statt um Gesichter bemüht er sich bei den Hannoveraner Parteifreunden um einen Wahlkampfschlager - ein Boot zum Schippern auf der Saale.