Halle/Saalekreis: Erdbeeren haben Durst

31.05.2012 20:47 Uhr | Aktualisiert 31.05.2012 22:03 Uhr
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Erdbeeren

Ein bisschen Regen täte den Erdbeeren gut. (ARCHIVFOTO: DPA)

Von kornelia privenau
Die Erdbeerliebhaber stehen längst in den Startlöchern. Nie schien das Selbstpflücken beliebter als heute. In Wallwitz und an der B 100 ist der Start erst nächste Woche. Die Früchte sind noch nicht reif. In Nehlitz und Dölau wird dagegen bereits gepflückt.
wallwitz/MZ. 

Die Erdbeerliebhaber stehen längst in den Startlöchern. Sie scharren förmlich mit den Füßen. Nie schien das Selbstpflücken beliebter als heute. Diese Meinung teilt auch der Produktionsleiter des Agrardienstes Nauendorf mit Sitz in Wallwitz, Dieter Hornung. "Unsere Telefone laufen schon seit Tagen heiß, alle wollen wissen, ob die Früchte reif sind", sagt er. Die Erdbeere ist schon von jeher der unangefochtene Star unter den Früchten, wegen ihres Wohlgeschmacks und der Tatsache, dass sie nur kurze Zeit bei uns geerntet werden kann, so Hornung weiter.

Trotzdem: Wer in Wallwitz seinen Bedarf an den süßen Früchten decken möchte, muss noch bis zum 6. Juni warten. Der Fachmann erklärt, warum: "Die Erdbeeren brauchen für ihr Wachstum dringend Wasser. Sie sind noch zu klein."

Die Nauendorfer / Wallwitzer Obstbauern haben auf einer Fläche von knapp zweieinhalb Hektar Erdbeeren angebaut. Die Hälfte für Selbstpflücker. Die andere Hälfte beackern Saisonkräfte, die jedes Jahr zur Erntezeit nach Wallwitz / Nauendorf kommen. "Was sie an Früchten einbringen, bieten wir in unseren Hofläden an und versorgen Stammkunden wie kleine Bäckereien aus Halle und dem Saalekreis, die damit leckere Kuchen und Torten herstellen", zählt Hornung auf. Die Erträge sind sehr unterschiedlich, was aber immer aufs Neue praktiziert wird, ist die Anbaumethode. In der Regel werden mehrjährige Pflanzen gesetzt. Sie bringen zwei oder drei Jahre Ertrag, dann kommen neue Pflanzen in den Boden. Und mit den Pflanzen werden auch dünne Schläuche im Boden verlegt. "Sie dienen der Tröpfchenbewässerung", sagt Hornung. Diese Art der Pflanzenpflege gewinne zunehmend an Bedeutung, weil zu trockene Frühjahre und Sommer schon zur Regel in unseren Breiten geworden sind. Eine Strohlage schütze die empfindlichen Früchte und halte sie auch sauberer, als wenn sie direkt auf dem Boden liegen würden.

Drei Sorten reifen auf den Feldern am Petersberg. Honey ist laut Hornung die typische Marmeladen-Erdbeere. El Santa und Darselect sind Sorten, die auch mal ein paar Tage gelagert werden können. Wenn in Wallwitz am kommenden Mittwoch ab 7 Uhr die Selbstpflück-Aktion startet, werden die 15 Erntehelfer auf dem Acker nebenan die Körbe für den Verkauf ab Hof füllen.

Um Geduld werden auch alle gebeten, die an der B 100 Richtung Zörbig die roten Früchte pflücken möchten. Peter Meinhardt, Juniorchef des Gartenbauunternehmens in Niemberg, hat dieselben Probleme wie die Wallwitzer. "Es sind noch zu wenige Früchte reif, das Wasser fehlt", sagt der junge Gartenbau-Experte, der hier seit einigen Jahren zusammen mit einem Bekannten die Fläche bewirtschaftet. Mitte nächster Woche, so lautet seine Prognose, könnten auch auf diesem Feld die Früchte reif sein. "Es wäre ärgerlich, wenn die Leute vorab kämen und nichts zu pflücken hätten", so Meinhardt.

Ein ganz anderes Bild gibt es im nördlichen Saalekreis aber auch. Auf einem großen Erdbeerfeld in Nehlitz wird schon seit Tagen geerntet. Das trifft auch auf ein Feld zwischen Halle-Dölau und Salzmünde zu. Beide Flächen werden ebenfalls privat bewirtschaftet und gelten seit Jahren als Geheimtipp für alle Erdbeer-Fans. Hier - wie an allen genannten Feldern - gibt es auch Parkmöglichkeiten für die Selbstpflücker.

Wer nicht bis zum 6. Juni warten möchte, kann also nach Nehlitz oder Dölau fahren und sich dort mit dem beliebten Obst versorgen. Für die Bauern ist die unterschiedliche Reife der Früchte bei näherem Hinsehen kein Thema.

Viele Anbieter mischen frühe und späte Sorten, um die Früchte möglichst lange anbieten zu können. Zu diesem Trick greifen ja beispielsweise auch viele Kleingärtner. Auch die Lage des Feldes könnte schon eine Rolle spielen. Jeder Anbieter habe da so seine Erfahrungen, hieß es.

Der unterschiedliche Reifegrad zu Beginn der Saison sage zunächst nichts darüber aus, ob 2012 ein gutes Erdbeer-Jahr wird, wir gar mit einer Früchte-Schwemme zu rechnen haben. "Egal, wo so ein Feld liegt, die Erdbeeren brauchen Wasser und Sonne in ausgewogenen Maßen", hatte Dieter Hornung gesagt. Für ihn sei eines wichtig: "Wir wollen ein gutes Geschäft machen und die Erwartungen unserer Kunden erfüllen."

Das Selbstpflücken habe sich zu einem Spaß für die ganze Familie entwickelt, die die Erdbeerplantagen zum Ausflugsziel machen, so Hornung. Zumal die Kinder beim Pflücken ja Beeren nach Herzenslust futtern dürften und der Geldbeutel auch etwas geschont würde.

Wenn die Saison in Fahrt gekommen ist, kann auch am Wochenende geerntet werden. "Die Beschäftigten und unsere Erntehelfer sind darauf eingestellt. Selbst pflücken kann man bei uns täglich von 7 bis 18 Uhr", so der Produktionsleiter des Nauendorfer Agrardienstes.