Kulturhistorisch wertvolle Malereien sind im Renaissance-Schloss Dieskau entdeckt worden. (FOTO: GÜNTER BAUER)
Die Berliner Kunsthistorikerin Bettina Günther hat für ihre Magisterarbeit im Schloss Dieskau (Gemeinde Kabelsketal) geforscht. Sie entdeckte gemeinsam mit dem Schlosseigentümer Thymo von Rauchhaupt, der auch Restaurator ist, im Teesalon hinter dem heutigen Restaurant chinesische Malereien, eine so genannte Chinoiserie.
Der Schlossherr sagt: "Solche Raumausmalungen folgten dem Zeitgeschmack des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Zur damaligen Zeit machte sich in Europa eine wahre China-Manie breit. Dieses Fieber erfasste die Architektur ebenso wie die Kunst, die Mode und die Musik." Rückschlüsse auf die Maler, die den Raum um 1730 ausgemalt hatten, lassen sich heute nicht mehr ziehen. Thymo von Rauchhaupt hat nach der Entdeckung der Kunstwerke zusammen mit Bettina Günther nach den Ursprüngen gesucht, ist aber nicht fündig geworden.
"Wir wollten den Teesalon restaurieren", erzählt der Schlossherr, "und beim Entfernen des morschen Putzes haben wir die Bilder gefunden." Es waren drei lebensgroße Musikantenfiguren, Glöckchen und eine Vase. Alles noch gut zu erkennen, sogar die Kappe eines Musikanten, der auf einer Laute spielt. Trotz der Freude über den Fund standen die Entdecker plötzlich vor einem Riesenproblem. Während die Wissenschaftlerin historisches Material wälzte und Quellenstudium betrieb, mussten die Schlossherren Fachleute zu Rate ziehen und Denkmalpfleger, weil sie nicht nur die Bilder gefunden hatten, sondern gefährlichen Hausschwamm. "Uns saß die Zeit im Nacken. Wenn wir nicht sofort handeln, dann würde der Schwamm über kurz oder lang die Malereien unwiederbringlich zerstören", sagt Heidrun von Rauchhaupt. Zusammen mit den Denkmalpflegern beschlossen die Schlosseigentümer, ein Verfahren anzuwenden, das sich in solchen Fällen schon oft bewährt hat. Der Salon wurde abgedichtet und ein spezielles Gas eingeleitet, das den Schwamm stoppt. Das Experiment ist gelungen. Anschließend wurden Tücher über den Malereien angebracht, um sie vor Staub und Licht zu bewahren.
Auch wenn der Verfall aufgehalten werden konnte, die Restaurierung der Kunstwerke ist bis heute völlig unklar. "Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Man muss sich auch entscheiden, ob man, wie es ja Anliegen einer Restaurierung ist, das Vorhandene konserviert oder die fehlenden Teile der Bilder ersetzt", sagt von Rauchhaupt. Die kulturhistorische Bedeutung der Dieskauer Chinoiserie hat Bettina Günther nachgewiesen: "Es gibt in Sachsen-Anhalt keine der Dieskauer Raumdekoration vergleichbare Gestaltung." Für ihre Magisterarbeit hat sie an der Humboldt-Universität Berlin Prädikat 1,0 bekommen.