Halle/Saalekreis: Schneeball rollte im Saalekreis los

22.05.2012 19:35 Uhr | Aktualisiert 22.05.2012 19:57 Uhr
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Landgericht Halle

Landgericht Halle (FOTO: JAN MÖBIUS)

Von SILVIA ZÖLLER
Eine 42-Jährige aus der Gemeinde Kabelsketal (Saalekreis) soll nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft die Drahtzieherin eines Schneeball-Systems sein, mit dem Tausende Menschen in Potsdam, Halle, Leipzig, Dresden und anderen Orten betrogen worden sein sollen.
Halle (Saale)/MZ. 

Zusammen mit drei weiteren Angeklagten muss sich die Geschäftsfrau seit Dienstag wegen strafbarer Werbung vor dem Landgericht Halle verantworten.

Seminare statt Sauna

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll das Quartett zwischen 2006 und 2009 in etlichen Veranstaltungen, die meist in Hotels durchgeführt wurden, Mitarbeiter geworben haben. Angeblich sollten sie Saunen und andere Produkte an den Mann bringen - doch nach den Erkenntnissen der Ermittler ging es dabei um etwas anderes. Die Teilnehmer sollten bis zu 4 000 Euro für sogenannte Persönlichkeitsseminare einzahlen - die sich angeblich durch spätere Aufträge schnell rentieren würden. Und selbst weitere Mitarbeiter werben.

Bis zu 50 Besucher kamen zu solchen Infoveranstaltungen - und immer wieder unterschrieben Ahnungslose Verträge. Teilweise sollen die Betrogenen Kredite aufgenommen haben, um das Geld für die Seminare bezahlen zu können.

Millionen erwirtschaftet

Die Hauptangeklagte aus dem Kabelsketal stand wegen genau dieses Schneeballsystems bereits vor einigen Jahren vor Gericht - damals ging es um Taten aus den Jahren 2002 bis 2006. Laut Staatsanwaltschaft soll ihr Unternehmen in dieser Zeit mit den dubiosen Machenschaften mindestens 4,3 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Damals erhielt sie eine Bewährungsstrafe - und setzte nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ihr Schneeballsystem dennoch fort, so dass es zu einer neuen Anklage vor dem Landgericht Halle kam.

Die drei Mitangeklagten sollen als Mitarbeiter, Manager und Vertriebsmitarbeiter an den Infoveranstaltungen und Seminaren beteiligt gewesen sein. Alle vier machten zum Prozessauftakt keine Aussagen. Etliche Verhandlungstermine bis August sind angesetzt, an denen Zeugen gehört werden.