Die Heimstätte des HFC - der Erdgas-Sportpark. (FOTO: ANDREAS STEDTLER)
In 33 Tagen ist Anstoß: Der Ball rollt bei der Fußball-Europameisterschaft. Die Erwartung eines Sommermärchens samt bereits ritualisierten Überschwang der Fans, mit Bier und Autocorso nach den Spielen der Deutschen ist groß. Doch eine Märchen-Zutat könnte diesmal fehlen: Public Viewing in Halle. Denn das hallesche Schloss in diesem Sommermärchen, sollte eigentlich das Stadion sein. Dort sollten Spiele auf Großleinwand gezeigt werden. Dieser Plan ist gescheitert: "Die EM-Spiele werden nicht im Stadion übertragen", sagt Oliver Kühr von der Stadion Halle Betriebs GmbH. Zu den Gründen der Absage nach der Sitzung der Betreibergesellschaft in der vergangenen Woche wollte er sich nicht äußern. Offenbar ist aber ein wichtiger Sponsor abgesprungen.
Vier Wochen vor dem Eröffnungsspiel ist keine Public-Viewing-Alternative in Sicht. Nun drohen die halleschen Fans tatsächlich in die Röhre zu schauen - in Fernseher beziehungsweise auf kleine Leinwände in Kneipen. Der Ball liegt nach dem Rückpass der Stadionbetreiber nun bei der Stadt. Doch die lässt ihn liegen. Sie sieht keinen Handlungsbedarf, für eine Fan-Meile zu sorgen. "Die Stadt kann selbst kein Public Viewing anlässlich der Fußball-EM in Eigenregie organisieren", sagt Stadtsprecher Steffen Drenkelfuß. Zu teuer: "Mit Blick auf die Freiwilligkeit einer solchen Haushaltsausgabe wäre diese zum jetzigen Zeitpunkt kaum zu rechtfertigen, weil eine kostenneutrale Refinanzierung unwahrscheinlich ist." Zudem sei der technisch-organisatorische Aufwand zu hoch: Es müssten über Wochen mindestens eine LED-Wand gemietet und ein Sicherungsdienst organisiert werden. Hinzu komme, dass erfahrungsgemäß viele Kneipen und Sportlerheime in ihren Räumen und Gärten Leinwände aufstellen werden. "Die Stadt würde aber etwaigen privaten Veranstaltern oder Antragstellern, die ein Public Viewing organisieren wollen, aufgeschlossen und hilfsbereit gegenüberstehen." Das dürfte zu wenig sein an städtischer Unterstützung. Bisher gebe es keine Anfragen. Klaus Roth, Geschäftsführer der Jugendwerkstatt "Frohe Zukunft" sagt auf Nachfrage der MZ: "Das wäre jetzt fast schon zu kurzfristig. Wenn da noch etwas passieren sollte für Halle, dann müsste man jetzt sofort über die Finanzierung reden", so Roth. Sprich: Geld müsste her. Der Jugendwerkstatt-Verein hatte bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 gemeinsam mit dem Stadtmarketing die hallesche Fan-Meile organisiert. Damals ohne Eintritt. 30 000 hatten sich vor der Großleinwand am Thüringer Bahnhof versammelt. "Allerdings waren nur die Deutschlandspiele gut besucht", weiß Roth. Die Jugendwerkstatt hatte zunächst eine Fanmeile auf der Peißnitz vorgeschlagen. Mit der Stadion-Variante habe man das aber aufgegeben.
Nach Schätzungen würde die Übertragung der Deutschland-Spiele rund 96 000 Euro kosten.