Halle: Total (l)egal

27.04.2012 21:09 Uhr | Aktualisiert 18.06.2012 22:30 Uhr
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Auf den Pulverweiden

Ein beliebter Austragungsort für Spontan-Partys: die Pulverweiden. (ARCHIVFOTO: MZ)

Von michael tempel
Unangemeldete Feten liegen in Halle im Trend, sorgen aber für Ärger mit den Ordnungshütern. Die Szene soll jetzt offizielle Treffpunkte bekommen.
Halle (Saale)/MZ. 

Sommer, Sonne, Partyspaß. Halles Grünflächen werden in den kommenden Monaten wieder zum Schauplatz zahlreicher Open-Air-Feten. Einen Vorgeschmack auf die "Saison" hat am Freitag die traditionelle Abi-Feier auf der Peißnitz geliefert. Polizei sowie Ordnungs- und Jugendamt standen in Bereitschaft, um mögliche Ausschreitungen unter den rund 700 Teilnehmern zu verhindern. Um bei solchen und den vielen kleineren unangemeldeten Spontan-Partys Konflikte zwischen Feiernden und Ordnungshütern zu verhindern, soll die Stadt nach dem Willen der SPD-Stadtratsfraktion nun offizielle Party-Treffpunkte ausweisen. Die Szene reagiert allerdings skeptisch.

Laut Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann ist die Verwaltung bereits dabei, "zwei bis drei" Standorte zu prüfen. Nach MZ-Informationen soll auch die Freifläche am ehemaligen Karstadt-Technik-Kaufhaus am Holzplatz dabei sein. Für die Standorte sollen die Veranstalter ihre Feten kurzfristig anmelden und zügig eine Genehmigung erhalten können. "Innerhalb von 48 Stunden vor der Party sollte alles erledigt sein", sagte Neumann. Weitere Details zum Verfahren sowie zu möglichen Auflagen nannte er nicht. "Ich denke, dass wir einen guten Kompromiss hinbekommen."

In den vergangenen Jahren hat die Zahl spontaner und illegaler Partys mit Musik und großem Alkoholgenuss in Halle sprunghaft zugenommen. Unter anderem die Klausberge, der Neustädter Kanal und die Pulverweiden sind beliebte Treffpunkte. Die Organisatoren laden ihre Gäste dabei per Telefon, Mund-zu-Mund-Propaganda sowie über Internetplattformen wie Facebook ein. Wegen Anwohnerbeschwerden, weil teilweise Massen an Müll liegen bleiben, aber auch weil die Feten in Schutzgebieten stattfanden, wurden einige Partys von den Behörden aufgelöst.

Ein 31-jähriger Hallenser, der bereits mehrere Spontan-Partys veranstaltet hat und der ungenannt bleiben will, begrüßte zunächst den Vorstoß der SPD und das Agieren der Stadt. Eine gute Resonanz in der Szene hänge jedoch davon ab, dass eine Genehmigung an nur einer Anlaufstelle im Rathaus zu bekommen ist. "Derzeit muss man vier Ämter abklappern, um eine Genehmigung zu bekommen. Und dabei ist nicht einmal sicher, ob alle Ämter zustimmen", sagte er. Mehr als 300 Euro Gebühren sowie zusätzliche Kosten für Auflagen wie Toiletten oder die Anmietung der Musiktechnik machten eine offizielle Party schnell zum teuren Unterfangen. "Wenn die Veranstalter hohe Kosten hereinholen müssen, sind sie gezwungen, viele Getränke zu verkaufen. Dann würden aus den Partys Massenveranstaltungen", so der Kenner.

Der SPD-Antrag trägt die Handschrift der Partei-Nachwuchsorganisation Jusos. Vorstandsmitglied Anika Knüppel meinte, dass die Partys nur dann nicht mehr vor der Auflösung stehen, wenn Anwohner und Natur vor Belästigungen geschützt werden. "Allen wird man es sicher nicht recht machen können", sagte sie. Ein anderer Kenner der Szene schätzt, dass dem Partyvolk der Gang in die Legalität egal sein wird und dass es weiter macht wie bisher. "Der Reiz der Partys ist es doch gerade, dass sie von Mund zu Mund weitergesagt werden", sagte er.