Halle: Wenn die Psyche Modell steht

09.05.2012 21:15 Uhr | Aktualisiert 09.05.2012 21:20 Uhr
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Auf dem Weg der Besserung?

Auf dem Weg der Besserung? Eine Frau befreit sich aus dem Dickicht ihrer inneren Beklemmungen - und sieht langsam wieder klarer (Bildausschnitt). (FOTO: MZ)

Von Detlef Färber
Das Leibniz-Institut zeigt die ungewöhnliche thematische Ausstellung "Fassaden der Seele". Der Maler Thomas Burkhardt ist zugleich Arzt.
Halle (Saale)/MZ. 

Der Mensch ist schon eine seltsame Pflanze! Vor allem, wenn er sich mal wieder entwurzelt fühlt, viel zu wenig Sonne abkriegt oder nicht gegossen - sprich geliebt wird. Oder schlimmer noch, wenn ringsum mit ihm und bei ihm die Chemie nicht stimmt. Dann schlägt ihm das schnell mal auf den Magen, der Stoffwechsel und die ganze Biochemie können in Unordnung geraten. Und spätestens dann steckt des Menschen Hardware die Software an - also: die Psyche wird krank. Und die Pflanze Mensch welkt dahin. Damit dürfte schon mal klar sein, dass eine Kunstschau mit Menschenbildern, die "Fassaden der Seele" heißt, im halleschen Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie genau am richtigen Platz ist. Gerade hat diese Schau begonnen, die Gemälde des Naumburger Künstlers und Allgemeinmediziners Thomas Burkhardt zeigt.

Und was der zeigt, ist ein gutes Beispiel dafür, wie man - vielleicht auch als Arzt - beim Blick auf die Fassade, auf das Körperliche, zugleich hinter die Dinge sehen kann. Wenn man kann - und will. Ganzheitlich nennt man dergleichen wohl in den Heilberufen. Immer wieder berichten ja auch Ärzte darüber, wie sich hinter körperlichen Leiden seelische Nöte verbergen. Und wenn es dem Arzt gelingt, sich ein Bild davon zu machen, sei dies oft auch schon ein erster Weg zur Hilfe oder Heilung im speziellen Fall. Wenn Gleiches aber einem Arzt gelingt, der zugleich Künstler ist, dann kann das sehr bildhafte Bild, das er sich von seelischen Nöten macht, gleich vielen zugute- kommen. Zum Beispiel durch Ausstellungen wie diese. Denn wenn bei ihm quasi die leidende Psyche Modell sitzt, dann denkt der heilende Maler den Therapieplan wohl schon mit. Zur Therapie gehört nämlich, Verständnis für das zu wecken, was - wie etwa beim viel diskutierten Burnout - die Leute ausbrennen lässt. Und, wie dieser Brand sich ausbreitet.

Sylvia Pieplow, die Sprecherin des Leibniz-Instituts, hat diese Art der Darstellung in ihrer Rede zur Vernissage sehr treffend beschrieben. "Burkhardt stellt hier dar, was wir nicht sehen, sondern allemal erahnen können - sowohl bei anderen als auch bei uns selbst. Hier wandelt sich der Schein in Sein." Soll auch heißen, dass bestimmte Sprachbilder zu krankhaften Zuständen durch Visualisierung überprüft werden: Wie funktioniert so ein "Ausbrennen" und was sieht der Mensch, der sich verfolgt fühlt? Wie fühlt sich Überforderung an - und wie sieht eine Welt aus, die jeden Augenblick auf den von Angst gepeinigten Menschen einzustürzen scheint?

Was in der Umsetzung auch mal vordergründig wirken kann, steckt dennoch voller Hintergründe. Die Schau ist eine Kunstreise. Ihr Ziel ist die Landschaft Mensch.

Zu sehen im Leibniz-Institut im Weinberg 3 - zu den Geschäftszeiten