Harz: Die Biker kommen

24.05.2012 20:25 Uhr | Aktualisiert 24.05.2012 21:11 Uhr
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Harley-Davidson-Fan

Leder, Chrom und viel PS: Auf dem Ballenstedter Verkehrslandeplatz treffen sich derzeit Harley-Davidson-Fans aus ganz Europa. (FOTO: ANDREAS STEDTLER)

Von Antonie Städter
Bis zu 15.000 Fans der amerikanischen Kultmarke Harley Davidson werden in den nächsten Tagen Ballenstedt bevölkern. Am Donnerstag Nachmittag waren nach Polizeischätzungen schon 3.500 von ihnen vor Ort.
BALLENSTEDT/MZ. 

Das hat Ballenstedt noch nie erlebt: An fast jeder Straßenecke des 8 000-Seelenortes im Harzkreis blitzt das Chrom mächtiger Motorräder in der Sonne, Leder und die Farbe Schwarz dominieren das Straßenbild, unablässig knattern PS-starke Maschinen an den Einwohnern vorbei. Und das ist erst der Anfang: Bis zu 15 000 Fans der amerikanischen Kultmarke Harley Davidson werden in den nächsten Tagen Ballenstedt bevölkern. Am Donnerstagnachmittag waren nach Polizeischätzungen schon 3 500 von ihnen vor Ort. Sie reisen mit ihren Harleys aus ganz Europa an. Denn abseits vom Zentrum, auf einem 64 Hektar großen Flughafengelände, findet bis zum Montag die vom deutschen Harley-Davidson-Club organisierte fünftägige "Super Rally 2012" statt.

Ausfahrten in die Region

Die Ballenstedter verfolgen das Treiben staunend. Marlies Lehmann zum Beispiel, die im Zentrum der hübschen Kleinstadt ein kleines Lebensmittelgeschäft besitzt - und an diesem Donnerstag, dem Eröffnungstag des Biker-Treffens, immer wieder neugierig an der Tür steht. "Ich finde das toll, dass so etwas hier stattfindet - solange alle höflich und nett sind."

Damit geht es ihr so wie Hendrik Fiedler, der einige Schritte weiter die Gaststätte "Zum Treffpunkt" betreibt - und nun, wie er sagt, wohl das Geschäft seines Lebens machen wird. Und dafür bereits drei Stunden früher als sonst, um 7 Uhr, in der Küche stand. Zwar sind große Veranstaltungen in Ballenstedt nichts Neues - immer im Sommer steigt auf dem Flughafengelände etwa das "Rockharz Open Air". Doch: "Das hier ist eine deutliche Nummer größer", sagt er. "Es ist Wahnsinn: Die Leute sind alle nett und bei den Motorrädern ist ja eines schöner als das andere", schwärmt derweil die 22-jährige Marie Strohkorb vom Restaurant Kassner nebenan, die bei der Gelegenheit gleich ihr Schul-Englisch etwas auffrischt. Schon am Vormittag sitzen zig Biker an den Tischen vor dem Lokal - darunter auch Besucher aus Schweden, Belgien, England und den Niederlanden.

Viele von ihnen sind regelmäßige Gäste des Treffens aller Harley-Davidson-Clubs Europas, das erstmals Mitte der 70er Jahre veranstaltet wurde und stets in einem anderen Land ausgetragen wird. Sie wollen feiern, Musik hören, ihre Motorräder präsentieren. Und die Region kennenlernen - bei Ausfahrten, versteht sich, wie Manfred Berger erzählt. Der 52-jährige Biker aus Hamburg hat die Zimmer für sich und seine vier Kumpels in einer Quedlinburger Jugendherberge bereits vor zwei Jahren gebucht.

Die allermeisten Besucher aber schlafen in Zelten auf dem riesigen Flugplatz-Gelände, gleich neben ihren kostbaren Maschinen. Wer indes auf einem Motorrad einer anderen Marke anreist, muss es auf einem separaten Parkplatz abstellen. Schon von Weitem künden die Spitzen der riesigen Veranstaltungszelte von den Bikern, die dort am Abend ihren Lieblings-Bands zuhören können. Stefano Bassetto aus Norditalien gefällt es. "Wir sind wenn möglich jedes Jahr dabei", erzählt der 60-Jährige, der mit seinen sechs Freunden bereits am Montag die Reise nach Ballenstedt per Harley Davidson angetreten hat.Bürgermeister Michael Knoppik (CDU), der auch gerne mal Motorrad fährt, ist hin- und hergerissen zwischen Freude und Sorge. Einerseits ist da der Stolz, eine solche Großveranstaltung in die Stadt geholt zu haben. In Sachen Bekanntheitsgrad und Image könne man da profitieren - "und zwar nicht nur Ballenstedt, sondern die gesamte Region", betont er. Zudem hätten auch die heimische Gastronomie, Hotellerie und der Handel etwas davon. "Unsere Übernachtungsmöglichkeiten etwa sind seit Monaten ausgebucht", sagt er. Und auch die Ballenstedter können etwas erleben: Am Samstag wird es im Zentrum der Kleinstadt eine große Bike-Show geben, bei der die schönsten Motorräder in verschiedenen Klassen gewählt werden.

Andererseits sind da beim Bürgermeister aber die Sicherheitsbedenken - auch, wenn er davon ausgehe, dass die meisten Teilnehmer des Treffens friedlich gestimmt sind. Er vertraue auf Polizei und Veranstalter. Man sei auf den Ansturm der Massen gut vorbereitet.

Die Polizei ist mit mehreren Hundertschaften aus verschiedenen Bundesländern präsent und kontrolliert die Besucher. "Das ist auch für uns ein Großereignis", sagt Pressesprecherin Tina Beck. Ein grundsätzliches Gefährdungspotenzial gebe es aber nicht. Problematisch könnte es allerdings dann werden, wenn neben Mitgliedern der Bandidos, die sich bereits angekündigt haben, auch Vertreter verfeindeter Rockergruppen anreisen würden. Dafür hatte die Polizei aber keine Erkenntnisse. Bis zum Abend sei alles friedlich verlaufen.

Eine große Familie

Etwas anderes erwartet der Sprecher der Veranstaltung, Günter Osterhaus, auch gar nicht. "Es hat bei der Super Rallye noch nie Schwierigkeiten gegeben", betont er. Natürlich seien manche Ballenstedter skeptisch gewesen, erzählt Antje Schmidt vom Imbiss auf dem Gelände des Verkehrslandeplatzes. Doch sie habe mit den Bikern, denen sie in diesen Tagen an einem Stand Kaffee und Kuchen verkauft, nur gute Erfahrungen gemacht. "Das ist wie eine große Familie."