Die Gefahr kommt von oben und wiegt 20 Tonnen: Ein riesiger Felsblock oberhalb der wegen Steinschlags geschlossenen Gaststätte Königsruhe im Bodetal droht auf das beliebte Ausflugslokal zu stürzen, so Ulf Köhler vom Erfurter Ingenieur-Büro Köhler und Kirschstein. Dessen "fundiertes Gutachten" stellte am Freitag Landes-Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) der Presse vor.
Gaststätte im Herbst wieder offen?
Die gute Nachricht: Der Fels kann mit Drahtseilen gesichert werden. Wird zudem ein Schutzzaun von 20 bis 30 Metern Länge und 2,50 Metern Höhe errichtet, gilt die Gefahr als gebannt. "Die Freigabe der Gaststätte könnte bis Anfang Herbst erfolgen", so Aeikens. Kosten: 60 000 Euro, die das Land "unter Schmerzen" übernehmen würde. Der zwischen Jugendherberge und Gaststätte an der Bode gesperrte Harzer Hexenstieg wird aber nach den jüngsten Steinschlägen wohl dauerhaft geschlossen bleiben. Köhler: "Wir haben empfohlen, den Wanderweg auf die Südseite der Bode zu verlegen." Die sonst notwendigen Schutzmaßnahmen seien nicht verhältnismäßig und würden in einem Naturschutzgebiet nicht genehmigt werden. Dieser Vorschlag sei überzeugend, meint Aeikens. "Wir wollen den Charakter des Bodetals erhalten."
Stattdessen soll der Weg auf der anderen Bodeseite auch für Kinderwagen und Rollstühle hergerichtet werden, so Aeikens. Die Arbeiten am Südweg würden mehr Zeit in Anspruch nehmen als die Absicherung der Gaststätte. Er werde aber vielleicht schon im Spätherbst begehbar sein. Die Gesamtkosten für das Land schätzt Aeikens auf einen "unteren sechsstelligen Betrag".
Der Hexenstieg quert als ein beliebter Hauptwanderweg den Harz von Thale nach Osterode. Er ist 100 Kilometer lang. Die Sperrung der Gaststätte und des Weges im Bodetal hatte für böses Blut gesorgt. Politiker in Thale hielten dem Land vor, erst über Jahre trotz der Gefahren nicht und dann zu heftig reagiert zu haben.
Sperrung bleibt bestehen
Mit Erleichterung wurde in Thale das Ergebnis des Gutachtens aufgenommen. "Ich bin froh, dass die dauerhafte Schließung der Traditionsgaststätte vom Tisch ist", sagt Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU). Er freue sich, dass die Empfehlungen des Gutachters schnell umgesetzt werden sollen. Was aber die Teil-Sperrung des Hexenstieges und den Ausbau des am südlichen Ufer liegenden Weges betrifft, so wünscht sich Balcerowski eine juristische Bewertung. Unterdessen hat das Verwaltungsgericht Magdeburg entschieden, dass der Teilbereich des Hexenstiegs aus Sicherheitsgründen gesperrt bleibt. Die Richter lehnten einen Antrag der Stadt Thale ab, die sich gegen die vom Kreis angeordnete Fortführung der Sperre gewandt hatte. Thale hatte sich auf die negativen Auswirkungen auf den Tourismus berufen. Nach Auffassung der Richter wiegt der Schutz der Wanderer vor Steinschlag schwerer.