Der Massentourismus in Thale begann am 2. Juli 1862. An jenem Tag wurde der Anschluss an die Eisenbahnstrecke nach Berlin gefeiert. In Thale stand damals der Bahnhof allein inmitten von Wiesen. Das Hüttenwerk war ein noch recht kleiner Betrieb und der Ort selber auf die heutige Unterstadt beschränkt. "Thale war damals Naherholungsgebiet der Berliner. Die Bahn wurde wegen der Natur hier gebaut. Mit der Bahn kamen auf einmal mehr als nur die Bildungsreisenden, Dichter, Forscher und Denker nach Thale und ins Bodetal", weiß Ute Tichatschke, Chefin des Thalenser Hüttenmuseums.
"Die Bahn hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes. Ohne Eisenbahn wäre Thale wohl keine Stadt geworden", meint Heiko Golla, Lehrer am Thalenser Europa-Gymnasium Richard von Weizsäcker. Deshalb feiert Thale im Juli dieses Jahres gleich zwei große Jubiläen: 150 Jahre Bahnanschluss und 90 Jahre Stadtrecht.
Heiko Golla gibt zu diesem Anlass ein Buch zur Thalenser Eisenbahngeschichte heraus und gestaltet eine Ausstellung im Hüttenmuseum. In dem Buch wird es übrigens ein Kapitel geben, das den Einfluss der Eisenbahn auf die Gemeinde Thale zum Inhalt hat. Ein weiteres Kapitel wird sich dem Werkseisenbahnverkehr im einstigen Eisen- und Hüttenwerk widmen, das erst zehn Jahre später, zwischen 1872 und 1874 an das öffentliche Bahnnetz angeschlossen wurde. Golla hat viele Bücher und Chroniken gewälzt und zahllose Details über alles, was mit der Eisenbahn und Thale im Zusammenhang steht, gefunden. Etwa zwei Jahre lang hat er in den unterschiedlichsten Archiven geforscht. "Jetzt musste ich erstmal einen Schlussstrich ziehen, um Buch und Ausstellung fertig zu bekommen. Aber vielleicht erhalte ich ja noch weitere Hinweise zur Eisenbahngeschichte Thale", hofft er.
"Heiko Golla hat zum ersten Mal systematisch das Fotoarchiv im Hüttenmuseum aufgearbeitet, sich quasi durchgeackert. Das war viel Arbeit, hat aber auch viele Kostbarkeiten zum Vorschein gebracht", freut sich Ute Tichatschke. Das betrifft auch unvollendete Projekte, wie den geplanten Bau einer Zahnradbahn zum Hexentanzplatz. Bereits bekannt sind solche Details wie das: Die Eisenbahngesellschaft, die den Anschluss Thales an das Bahnnetz betrieb, sorgte auch für den Ausbau von Wanderwegen im Bodetal. Der Präsidentenweg ist ein Beispiel dafür.
Zum Thalenser Eisenbahnjubiläum sind bereits zahlreiche Höhepunkte vorbereitet. Am 2. Juli, auf den Tag genau 160 Jahre nach den großen Feierlichkeiten zum Bahnanschluss, will Heiko Golla sein Buch vorstellen. Am 6. Juli soll die Ausstellung im Hüttenmuseum eröffnet werden. Daran beteiligen sich auch der Thalenser Modellbahnclub-. Er bringt sich ebenfalls in weitere Aktivitäten rings um das Jubiläum ein, unter anderem mit einer Ausstellung in der alten Bahnmeisterei. Das eigentliche Festwochenende wird am 7. und 8. Juli stattfinden. Dann werden dampfgeführte Sonderzüge den Weg nach Thale nehmen. Geplant ist, dass sowohl Dampfloks aus der für die Strecke einst typischen Baureihe 50 3708 als auch die Bergkönigin 95 027 der Rübelandbahn sich zum Bestaunen präsentieren.