Es droht neues Ungemach im Bodetal: Die Stadt Thale will heute einen gesperrten Teil des Harzer Hexenstieges zwischen der Jugendherberge und dem Gasthof "Königsruhe" wieder eröffnen. Das Magdeburger Umweltministerium warnt dagegen vor anhaltenden Gefahren und spricht von einem "unverantwortlichen Schritt". "Durch Steinschlag droht weiter Gefahr für Leib und Leben", sagt Detlef Thiel, Sprecher des Umweltministeriums. Eine Wiedereröffnung sei auch gar nicht notwendig, weil Wanderer einen anderen Weg östlich der Bode nutzen könnten.
Der Öffnung des gesperrten Weges einfach zuzugucken, sei unverantwortlich. "Es wird dann veranlasst, dass der Weg wieder geschlossen wird", sagt Thiel unumwunden. Nach wie vor bestehe die Gefahr von Steinschlägen im Bodetal, da die Felsen mehr als in den vergangenen Jahrzehnten "arbeiten". Das sei den nunmehr veränderten Witterungsumständen geschuldet.
"Früher kam im Frühjahr beim Tauwetter Gestein herunter, jetzt passiert es auch im Sommer, wenn Touristen dort wandern. Die Gefahrenwelt im Bodetal hat sich geändert", meint Thiel. Und wirft Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) vor, völlig voreilig zu handeln. Zumindest hätte er die zwei Wochen, bis das Gutachten für eine Sicherung vorliegt, noch warten können. "Dann wissen wir, worüber wir reden", sagt der Ministeriumssprecher.
Doch Balcerowski lässt sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. "Wir machen auf. Ich habe nach meiner öffentlichen Ankündigung im Stadtrat und in den Medien auch keine andere Weisung erhalten" - er meint damit den Landkreis als übergeordnete Behörde. Die Antwort des Umweltministeriums auf die Wiedereröffnung bezeichnete das Stadtoberhaupt als "Überreaktion". Schreite das Ministerium ein und werde der Wanderweg wieder geschlossen, werde die Stadt Thale als Wegeigentümer gerichtlich gegen diese Sanktion vorgehen. "Wir haben in unserer Zuständigkeit am 8. Juni den Weg zugemacht. Nun ist die akute Gefährdung vorbei und wir machen deshalb wieder auf", sagt Balcerowski. Die Mitarbeiter der Bergsicherung Ilfeld waren in den vergangenen Wochen im Auftrag des Landes im Einsatz, um "für viel Geld" lockeres Gestein von gefährdeten Stellen des Rosstrappenhanges zu werfen. Die Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Laut einem vom Land in Auftrag gegebenen Gutachten sei die Gefahrenlage so wie vor dem Juni-Steinschlag, sagte Guido Bloßfeld, Bau- und Ordnungsamtsleiter der Stadt Thale. "Und damit so, wie es im Gebirge üblich ist.". Wenn der Weg doch wieder geschlossen werde, dann "war alles für die Katz". Er verwies darauf, dass auf mögliche Steinschlaggefahren auch Schilder hinweisen, wonach der Weg nur auf eigenes Risiko betreten werden dürfe.
Thale sei stark vom Tourismus abhängig. Millionen wurden in den Sektor investiert. Bürgermeister Balcerowski wirft dem Umweltministerium deshalb vor, das "hier mit dem wirtschaftlichen Überleben der Stadt gespielt wird". Dann könne man aus Sicherheitsgründen auch gleich den ganzen Harz schließen, wo hin und wieder Äste von den Bäumen fallen oder Geröll abgehe. Die Schließung der Ausflugsgaststätte, so ergänzt Bauamtsleiter Bloßfeld, sei von der Öffnung des gesperrten Wanderweges nicht betroffen. Sie bleibe auf Weisung des Landes geschlossen.